Der Weg einer Freiheit - Finisterre

Der Weg einer Freiheit

Band: Der Weg einer Freiheit

Album: Finisterre

Label: Season of Mist

Release Date: 25.08.2017

Genre: Black Metal

Rezensent: HardyTracklist:

Tracklist:
01. Aufbruch
02. Ein letzter Tanz
03. Skepsis Part I
04. Skepsis Part II
05. Finisterre

Lineup:
Nikita Kamprad - Guitars, Vocals
Tobias Schuler - Drums
Sascha Rissling - Guitars
Nico Ziska - Bass

Besten Dank an Season of Mist zur Verfügungstellung des Albums

Beurteiung

Puh, der Pressetext zu dem neuen DER WEG EINER FREIHEIT Album „Finisterre“ lässt mich ziemlich ratlos zurück. Das Ganze wirkt wie eine Wette mehrerer Autoren darüber, wie viele Namen großrangiger Blackmetalbands man in einem einzigen Pressesheet unterbringen kann. Ich habe die ersten Alben der Band allesamt sehr genossen (inklusive der genialen Agonie-EP) aber Parallelen zu DARK FUNERAL, MARDUK oder gar ENDSTILLE sind mir bisher nicht aufgefallen… naja, vielleicht abgesehen davon, dass die Musik in allen Fällen von Musikern gemacht wird, welche Schlagzeug und Gitarre spielen. Ok, ich versuche mich jetzt einfach mal gänzlich von dem zu lösen, was ich hier angeblich gehört haben soll und gebe euch meinen ganz persönlichen Eindruck zu „Finisterre“ wieder.

DER WEG EINER FREIHEIT litten seit ihrer Gründung - auch in meinem Freundeskreis - unter dem Vorurteil „Studenten-“ oder „Akademikerblackmetal“ zu spielen. Diese Wortneuschöpfungen sind sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass die Jungs aus Würzburg äußerst gut komponierte und technisch einwandfreie Musik spielen, ohne auf irgendwelche Klischees (die es gerade in diesem Subgenre gibt wie Aknecremes in der Kosmetikabteilung) zurückzugreifen. So verwundert es nicht, dass auch „Finisterre“ ausschließlich aus langen Songs besteht, welche komplett auf die gängige Strophe-Refrain-Struktur verzichten.

Schon zu Beginn des ersten Hördurchlaufs lässt das gesprochene Intro zu dem Opener „Aufbruch“ aufhorchen. Sokratisch wird in Frageform darüber monologisiert, ob es auch einen tierischen Menschen geben könne. So stelle ich mir den Auftakt zu einem neuen Album von DER WEG EINER FREIHEIT vor. Musikalisch wird in 5 Songs und insgesamt ca. 45 Minuten eben das geboten, was ich erwartet habe: Weitestgehend harter Blackmetal mit einer kräftigen Tech-Death-Schlagseite, der allerding auch immer wieder durch besinnliche Phasen aufgelockert wird (z.B. in „Ein letzter Tanz“).

Allerdings ist 2017 nicht alles beim Alten geblieben. So bringen DER WEG EINER FREIHEIT diesmal neue Elemente in ihre Kompositionen mit ein, welche so nicht auf den letzten Veröffentlichungen zu hören waren. Hierzu zählt beispielsweise vereinzelt eingesetzter Klargesang, welcher einen lediglich akzentuierten, jedoch deutlich wahrnehmbaren Kontrast zu den typischen Screams herstellt. Gerade diese Neuerungen schaffen es, „Finisterre“ zu einem spannenden Album zu machen. Auf der anderen Seite rücken eben diese Entwicklungen die Gruppe aber auch wieder stärker in die Richtung der tausend anderen Post-Blackmetal-Bands, welche sich zum Teil leider kaum mehr voneinander unterscheiden. Ich hoffe, dass es DER WEG EINER FREIHEIT schaffen, sich ihre Individualität zu behalten und auf kommenden Veröffentlichungen wieder Kunst und Brachialität in der bisherigen Mischung miteinander zu vereinen. Letztere fehlt mir auf dem aktuellen Album leider an so mancher Stelle.

Fazit: DER WEG EINER FREIHEIT haben inzwischen bewiesen, dass sie nicht in der Lage sind ein schlechtes oder schlicht durchschnittliches Album aufzunehmen. So gibt es auch an „Finisterre“ technisch wieder nichts auszusetzen. Kritisch stehe ich jedoch der Annäherung an den Postmetal-Archetypen gegenüber, welcher zugegeben inzwischen äußerst populär geworden zu sein scheint. Ob es sich hierbei um einen Vor- oder Rückschritt handelt, muss letztlich aber wohl jeder Hörer für sich selbst entscheiden!

Hardy für Lady-Metal.com