Maerzfeld - Tief

Maerzfeld

Band: Maerzfeld

Album: Tief

Label: Red Point Music GbR

Release Date: 17.11.2011

Genre: Industrial Deutsch-Rock

Rezensent: Flo

Tracklist:
01. Vollkommen
02. Still
03. Hübschlerin
04. Erleuchtung
05. Ich Flieg
06. Vaterland
07. Lass Ab
08. Tief
09. Virus (Der Gast)
10. Exil
11. Schwarzer Mann

Lineup:
Heli Reißenweber – Gesang
Roland Hagen – Gitarre
Matthias Sitzmann – Gitarre
Samir Elflein – Bass
Thilo Weber – Keyboards
Thomas Buchberger-Voigt - Schlagzeug

Danke an MAERZFELD für das zur Verfügung stellen des Albums.

Beurteilung

Die Industrial Deutsch-Rocker von MAERZFELD präsentieren unter dem Titel "Tief" ihr erstes Album. Dieses enthält elf Songs, die sich in einer Individualität offenbaren, sodass es sich mit keiner anderen stilgleichen Band gleichstellen lässt. Inhaltlich beschäftigen sich die sechs fränkischen Musiker mit eigenen Lebenserfahrungen und den Problemen sowie Fehlern in der Gesellschaft, auf eigene Art mit Energie und Ehrlichkeit aber auch Ironie.

"Vollkommen" frei von einem Intro startet der Silberling in ein grooviges Gitarrenriff, welches sich geradezu bissig durch die Lautsprecher offenbart und somit ein infernales Album erwarten lässt. Frontmann Heli trägt seine Vocalparts auf grollenden Basslinien vor, die durch leichte Keyboardsounds umrahmt werden. Im Chorus findet sich der Rhythmus des Eingangsriffs wieder, wobei dieser durch die klingenden Akkorde der zweiten Gitarre nur sehr dezent in Erscheinung tritt. Der Text des Songs wirkt in sich eher ironisch, denn er handelt vom Egoismus der Gesellschaft, welcher bereits allein durch die Interpretation bzw. morbid wirkende Betonung des Titelwortes "Vollkommen" geradezu perfekt inszeniert ist.

Dieses eben angesprochene Problem der Gesellschaft ist eins der vielen Themen, die in den Texten von MAERZFELD -mal mehr, mal weniger verschlüsselt- zu finden sind. Dazu gehört auch der zweite Song "Still", dessen Titel wohl auch einen von vorne herein ruhigen Song erahnen lässt. Da dieser Song jedoch wider Erwarten die Geschichte eines Pädophilen erzählt, wurde wiederum die überwiegend harte Gangart in der musikalischen Ausführung gewählt.

Der dritte Song "Hübschlerin" zeigt im Gegensatz zu den ersten Beiden einen höheren Stellenwert der Synthetischen Klänge. Beste Zeit auch hier das Schlagzeug zu erwähnen, welches trotz seiner recht einfachen Spielweise und sporadischen Anwendung von Doublebass perfekte Breaks und Fill-Ins sowie eine unübertreffbare Temposicherheit vorweisen kann. MAERZFELD verpacken auf indirekte Art das gewaltsame Lebensende einer Prostituierten -die dadurch ein Kind hinterlässt, für welches sie sich verkauft hatte, um dessen Leben zu retten- in einem sehr episch klingenden Chorus.

Begibt man sich auf die weitere Reise durch das Album, stellt den nächsten großen Haltepunkt unweigerlich "Ich flieg" dar. Spätestens hier fällt deutlich auf, dass die Staccato-Rhythmen der Gitarren ein sehr wichtiges Element für MAERZFELD sind, da sie maßgeblich den Groove des Albums beeinflussen, auch wenn zur Abwechslung auch oft epische Melodiebögen auffindbar sind. Diese Elemente finden sich etwas spärlicher in "Vaterland" wieder, da dies auch ein etwas zügiger Song im Vergleich zu den bisherigen ist.
Der Titeltrack des Albums wurde an achter Stelle platziert und bringt an dieser Position auch einen optimalen Kontrast im Fortlauf der Titel, da es ein eher langsamer, anmutender Song ist. Selbige Eigenschaften weißt auch das Gitarrensolo auf, welches durch einen leichten Halleffekt viel eindringlicher wirkt.

In den Bereich Metal lassen sich "Virus" mit dem freundlichen Untertitel "(Der Gast)" und "Schwarzer Mann" einordnen, schon allein gegeben durch die kontinuierliche Benutzung der Doublebass. Dies gibt dem Album zum Schluss noch einmal einen Schub an Power und Kontrast durch die Temposteigerung, sodass der Hörer guten Gewissens wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Freiheit deswegen, da MAERZFELD mit "Tief" offensichtlich über das große Potential verfügt, seine Hörer in den eigenen Bann zu ziehen und auf diese ebenso tiefgründige wie emotionale Reise durch die Titel mitzureißen.

Fazit: MAERZFELD bringen mit ihrem ersten Langwerk frischen Wind in die Industrial-Szene. Durch seine individuelle und abwechslungreiche Art erreicht das Album die Vollkommenheit seiner Wirkung auf den Hörer, was eine sehr hohe Professionalität der Band erahnen lässt. Die Absichten der Texte sind oftmals sehr tiefgründig und ironisch verpackt, wodurch man bewusst zum Nachdenken angeregt werden soll. Ganzheitlich ein Album mit einer gewaltigen Ladung Potential, welches man in Zukunft gewiss noch mehr anwenden bzw. ausbauen kann. Antesten ist Pflicht.

In eigener Sache:
Lady-Metal.com wurde zur Release-Show von "Tief" am 12. November 2011 von MAERZFELD eingeladen. In der Rubrik >>Live Gallery<< befinden sich zwei große Galerien zu diesem einzigartigen, spätherbstlichen Event.
Des Weiteren ist dies die erste Exklusiv-Rezension des Albums "Tief".
Das Team Lady-Metal bedankt sich hiermit für das entgegengebrachte Vertrauen sowie die Partnerschaft.

Flo für Lady-Metal.com

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