Solstafir - Otta

Solstafir

Band: Sólstafir

Album: Ótta

Label: Season of Mist
    
Release Date: 29.08.2014

Genre: Heathen Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:
1. Lágnaetti
2. Ótta
3. Rismál
4. Dagmál
5. Miodegi
6. Nón
7. Mioaftann
8. Náttmál

Lineup:
Aoalbjörn Tryggvason - Guitars, Vocals
Guomundur Oli Pálmason - Drums
Svavar Austmann - Bass
Saepór Maríus Saepórsson - Guitars

Besten Dank an Season of Mist zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Das Gefühl vor den scheinbar unendlichen Weiten Islands zu stehen und mit geschlossenen Augen den kalten Wind auf den Wangen zu spüren - dieses Element scheint seit jeher tragendes Motiv der Ausnahmekünstler von SOLSTAFIR zu sein. Diese vier Musiker haben es in der Vergangenheit geschafft, Hörer aus unterschiedlichsten Genres (von Blackmetal über Neofolk bis hin zu Hardrock) von ihren Songs zu begeistern. Jedes Konzert ist ein Erlebnis, bei dem Menschen zum Teil mit geschlossenen Augen den liebevoll komponierten Melodien lauschen oder beginnen, mit den Fingern in der Luft zu trommeln. Mit "Ótta" wartet nun, nach drei Jahren Arbeit, der neue Langspieler darauf, in wenigen Tagen in die Verkaufsregale gestellt zu werden. Wir hatten das Vergnügen, die acht Hymnen bereits vorab für euch hören zu dürfen.

Tja liebe Leser, was soll ich euch berichten? Ótta ist auf der einen Seite wieder eindeutig als ein Werk SOLSTAFIRs zu erkennen, auf der anderen Seite hebt es sich allerdings auch wieder ebenso von seinen Vorgängern ab, wie es bisher bei jedem Album der Fall war. Vielleicht lässt es sich am ehesten so ausdrücken: Es handelt sich schlicht und ergreifend wieder um ein einmaliges Meisterwerk, welches sich in dieser Qualität weder wiederholen lässt, noch Vergleiche zu anderen Bands oder Releases (und seien diese auch von der selben Band) zulässt.

Ich versuche etwas mehr ins Detail zu gehen. Die Songs wirken zu einem großen Teil recht ruhig, weshalb rockige Elemente, wie sie zu Zeiten von "I blodi og Anda" noch eindeutig zu dem Sound der Band gehörten, stark zurückgeschraubt wurden. In vielem erinnern Grundstimmung und Aufbau eher an die Balladen der letzten Veröffentlichungen (wie z.B. "Fjara"). Die Songs leben von der Wiederholung einer meist gleichbleibenden Melodie, die durch geringe Änderungen im Instrumental oder der Tonhöhe doch steten Änderungen unterworfen ist. Mich persönlich erinnern die einzelnen Stücke daher stark an Märchen oder Sagen, die man als Kind immer und immer wieder erzählt bekam. Auch wenn einer solchen Geschichte stets ihre Dramaturgie erhalten blieb, war es doch bei jedem Zuhören ein anderer Text mit einem ganz eigenen Hörerlebnis.

Eine große Stärke dieses Albums ist neben den eingängigen Melodien sicherlich auch das Spiel mit dem Instrumental. Wie selten zuvor werden Streichinstrumente, Pianoklänge oder Synthesizer (z.B. bei " Dagmál") eingesetzt. Während dem Titelstück glaube ich sogar ein Banjo hören zu können. Diese begleitenden Instrumente spielen keine tragende Rolle, sondern bleiben stets im Hintergrund, um den Stücken eine weitere Ebene zu verleihen. Auf diese Weise gewinnen die Kompositionen an Komplexität, ohne hierbei überladen zu wirken. Ótta wirkt auf mich nicht so aufdringlich, als würde es die Glieder der Hörer wie wild zum zucken bringen. Es wirkt eher wie ein langsam ansteigender Rausch, der erst nach und nach ein synaptisches Feuerwerk im Großhirn entzündet. Und sind wir mal ehrlich: Wer von uns steht nicht auf Feuerwerk?

Fazit: Eigentlich kann man mit einem neuen Album von SOLSTAFIR kaum etwas falsch machen. Offensichtlich sind diese Musiker nicht in der Lage, ein belangloses Album aufzunehmen. Jeder Ton entspricht Emotion und Assoziation zu den wildesten Erlebnissen. Auch wenn dieser Vergleich befremdlich klingen mag, eine ähnlich musikalische Intensität kenne ich sonst in erster Linie von SAMMY HAGARs Gitarrenspiel. Das Album ist vermutlich mit das ruhigste, das SOLSTAFIR bisher aufgenommen haben, es steht seinen Vorgängern an Atmosphäre allerdings in nichts nach. Ich rate ganz klar dazu, sich mit diesem Release auseinanderzusetzen. Mir bleibt nichts weiter, als hierbei viel Spaß zu wünschen!

Hardy für Lady-Metal.com

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