Thormesis - Freier wille, freier Geist

Thormesis

Band: Thormesis

Album: Freier Wille - Freier Geist

Label:
MDD Records

Release Date: 14.03.2015

Genre: Black Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Intro
02. Freier Wille - Freier Geist
03. Nosce te ipsum
04. Weltenschrei
05. Mein letztes Lied
06. Luctus Nomus
07. Trostlos
08. Für ein Totem
09. Wenn der Schmerz dich lobt

Lineup:
Velsir - Vocals, Guitars
Travos - Vocals, Guitars
Berucas - Bass
Keltor - Vocals, Drums

Besten Dank an MDD Records zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Die Blackmetal-Szene hat es im Gegensatz zu vielen anderen Subgenres der Metalmusik geschafft, allen Kommerzialisierungstendenzen zum Trotz eine Undergroundkultur zu bleiben. Nicht nur deshalb freut es mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, über das aktuelle Album der bayrischen Band THORMESIS zu schreiben. Da ich selbst aus dem süddeutschen Raum stamme, ist mir die Gruppe tatsächlich schon seit ihrem ersten Album ein Begriff und ich verfolge die Entwicklungen seither recht interessiert. Seit dem letzten Album ist von den ursprünglichen Pagan-Einflüssen kaum mehr etwas zu hören und Songs wie "Des Wolfes letzter Gang" zeigten auch eine emotionale Seite der Band, die mir zuvor nicht aufgefallen war. Ich bin somit äußerst gespannt, wohin die Reise 2015 geht und gebe mein Bestes, euch einen ersten Eindruck davon zu vermitteln.

Kaum hat das Album begonnen, frage ich mich. warum beinahe jede zweite Blackmetal-Scheibe meine Geduld mit einer ermüdenden Ambient-Einlage auf die Probe stellen muss. Glücklicherweise entschädigt mich der zweite Track für das Warten und ich verschwende keinen Gedanken mehr an diesen unnötigen Kunstgriff. Abgesehen von dem ruhigen Einstieg bieten THORMESIS diesmal nämlich tatsächlich eine Art Best-of-Compilation, ohne alte Songs. Beinahe durchgehend erwische ich mich dabei, mehr als nur ein bisschen mit dem Kopf zu schütteln. Sollte einer meiner Nachbarn an meinem Fenster vorbeilaufen, während ich diese Rezension schreibe, hält er mich vermutlich für an Parkinson erkrankt.

Tatsächlich finden sich viele Parallelen zu dem Vorgängerwerk "Von Leere und Tod". So wird rockiger Blackmetal gespielt, wie er in seinen Grundzügen auch von CARPATHIAN FOREST oder DARKTHRONE bekannt ist. Im Gegensatz zu diesen Kollegen zeichnen sich die Songs allerdings durch ein melodisches Wesen aus, welches punktuell durch choralen Gesang oder ruhige Zwischenpassagen (z.B. in "Luctus Nomus") in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wird. Doch auch bei wilder Raserei bleiben die eingängigen Melodien erhalten und verleihen der Musik einen eigenständigen Charakter. Zu keinem Zeitpunkt wird das Album in einem Maße gefühlsbetont, wie es beispielsweise bei FREITOD der Fall ist. Nichts desto trotz bleibt eine gewisse Emotionalität omnipräsent und allgegenwärtig, sei es nun in der Stimme des Vocalisten oder in dem Riffing der Gitarristen.

Um das Werk abzurunden, wurden Gastmusiker von IMPERIUM DEKADENZ und RIGER eingeladen, die an einzelnen Titeln mitwirken konnten. Die hierdurch zustande kommende Dynamik ist meiner Ansicht nach durchaus spürbar und verleiht dem Sammelsurium eine weitere Ebene, ohne die das Album einfach nicht wäre, was es geworden ist: Ein wirklich gelungenes Underground-Album! Auch wenn sich das Besetzungskarussell der Truppe scheinbar weiterhin dreht, dem Endprodukt hat es offenbar nicht allzu sehr geschadet.

Fazit: Was bleibt mir anderes übrig, als an dieser Stelle nochmals zu wiederholen, dass ich mich mit dem aktuellen Stil THORMESIS durchaus anfreunden kann? Auf mich wirken die Kompositionen ebenso atmosphärisch und düster wie dreckig und aggressiv. Eben diese Mischung macht für mich den Reiz hinter "Freier Wille - Freier Geist" aus. Wer Bands wie VARGSHEIM oder WAXEN mag, wird auch dieses Album hören, bis es die Anlage nur noch mit Abnutzungserscheinungen verlässt. Von mir gibt es einen Daumen nach oben und die Empfehlung sich das gute Stück einmal in aller Ruhe anzuhören.

Hardy für Lady-Metal.com

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