Träumen von Aurora - Rekonvaleszenz

Lady-Metal.com

Band: Träumen von Aurora

Album: Rekonvaleszenz

Label: Trollzorn Records

Release Date: 10.5.2013

Genre: Post Black Metal

Rezensent: Michi

Tracklist:
01. phönix und asche
02. im morgengrauen
03. der sommerregen auf asphalt
04. orion 2.1
05. was einst im wind der wälder lag

Lineup:
vocals: Patrick Wunsch
keys: Maike Thomaier
guitar: Kavi Kanes
guitar: Camilo Hernández
bass: Robert Becker
drums: Michael Fischer

Danke an TRÄUMEN VON AURORA für das Bereitstellen des Albums

Beurteilung

Kein Jahr ist es her, als die deutsche Post Black Metal Formation "Träumen von Aurora" das erste Mal mit ihrem Debütalbum "Sehnsuchts Wogen" weiträumig auf sich aufmerksam gemacht haben und die Arbeiten der Band befinden sich keinesfalls im  Stillstand. Am 10.5.2013 wird der Nachfolger "Rekonvalenszenz" veröffentlicht und sowohl lyrisch als auch instrumental knüpft jener an voriges Album an.

Das Wunschdenken des lyrischen Ichs, den Verlust eines bedeutenden Menschen überwunden zu haben, leitete zwar einst das Ende des Vorgängers ein, jedoch wird mit dem ersten Song von "Rekonvaleszenz" gerade jene Hoffnung sofort wieder zerschlagen. Unerwartet roh und weitaus blackmetallastiger als man es von "Träumen von Aurora" gewohnt ist ertönt der erste Song "phönix und asche" und schmettert einem die unverhohlene Wahrheit ins Gesicht:  überwunden ist der Verlust noch lange nicht. Dominiert von dröhnenden Blastbeats, klagendem Gekrächze und zu Haufen dissonanten, schmetternden GItarrenriffs beginnt das Album und zieht einen sofort in seinen Bann.  Man erkennt einige lyrischen Phrasen aus dem alten Album wieder und fühlt sich sofort (bewusst) zurückversetzt. Mit dem nächsten Lied "im morgengrauen" beginnt jedoch langsam die Wende, welche sich besonders während der letzten 2-3 Titel bemerkbar machen wird. Hier beginnt es ruhig mit deutlich mehr Post Rock Einflüssen als beim Opener und die krankhafte Verzweiflung weicht langsam schmerzhafter Resignation. Das tragende Schlagzeug steht im stetigen Einklang zu den melancholischen Gitarrenspuren,  Geflüster und emotionalen Klargesang, der hier stellenweise auch wieder, das für Black Metal typische, Geschreie ablöst. 

Die nächsten 2 Stücke "der sommerregen auf asphalt" und "orion 2.1" sind rein instrumental, doch hier zeigen "Träumen von Aurora" dass sie keiner Texte bedürfen um Gefühle zu transportieren. Beinahe wie der Versuch zerrende Ketten abzuwerfen, kommen die Stücke daher und befreien das lyrische Ich von der Last der Vergangenheit. Die Rekonvaleszenz setzt langsam ein. Die Black Metal Elemente treten vereinzelt in den Hintergrund und die progressiven Facetten der Band kommen zum Vorschein. Einige spannende Rhythmuswechsel und viele akustische Parts, im Wechselspiel mit schnellen verzerrten Melodien machen die Essenz der 2 Lieder aus und trotz einiger kleiner Stellen, die hier meines Erachtens ein wenig unstimmig wirken, machen sie den beiden Stücken keinen Abbruch. Besonders bei diesen Titeln kommt das Keyboard sehr gut zum Vorschein. Man kann sich förmlich vorstellen, wie Regentropen auf den Asphalt tanzen und danach langsam verdunsten um etwas Neuem zu weichen. In "orion 2.1" kommt dann fast schon etwas wie Euphorie zum Vorschein und man spürt die Genesung wirken. Wunderschöne instrumentale Stellen erzählen von den Gefühlen und leiten perfekt das letzte Stück "was einst im wind der wälder lag" ein.

Hier kommt anfangs wunderschön, gleitender Frauengesang zum Einsatz und versetzt in ein idyllisches Szenario welches von atmosphärischer Instrumentalbegleitung untermalt wird. Hier kommt noch mal alles zum Einsatz was "Träumen von Aurora" zu bieten hat. Von klagenden Wehschreien, schnellen Schlagzeugbeats über rockigen Gitarrenelementen  bis hin zu von Sehnsucht erfüllten Melodien und ruhigen Klavierspielereien. "was einst im wind der wälder lag" ist nicht nur der Abschluss des Albums sondern auch das Ende der Angst sich von altem Schmerz zu lösen. Der Verlust scheint endlich überwunden und mit träumerischen Gitarrenspuren, untermalen von dezenten Keyboardeinsätzen, klingt das Stück aus.

Fazit: "Träumen von Aurora" haben sich mit ihrem neuem Album in jeder Hinsicht verbessert und die Stimmung, welche für mich bereits in "Sehnsuchts Wogen" sehr authentisch dargestellt wurde, mit ihrem neuem Werk nochmals übertroffen! Sowohl instrumental als auch lyrisch weis die Post Black Metal Gruppe sehr zu begeistern. Stellenweise finden sich vielleicht kleine Unebenheiten die stimmungsmäßig nicht ganz hineinzupassen scheinen,  dem Ganzen jedoch keinen Abbruch tun, man merkt, dass die Gruppe zu hundert Prozent hinter ihrer Musik steht. Das Album ist auf alle Fälle allen Freunden von Lantlôs, Alcest, Woods of Desolation u.ä. zu empfehlen. Ein Fehlkauf ist hier definitiv nicht vorprogrammiert, höchstens vielleicht Enttäuschung darüber, dass das Album nur um die 45 Minuten fasst. Man kann hoffentlich auf einen Nachfolger gespannt sein!

Michi für Lady-Metal.com

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