DARK STORM FESTIVAL 2015

Natürlich war ich wieder viel zu früh. Das bin ich ja immer. Oder zu spät. Zeitmanagement war noch nie das Meine. Die Uhr zeigte gerade mal 15:30 Uhr an, als die Stadthalle in Chemnitz erreichte. Es war der erste Weihnachtsfeiertag, aber davon spürte man wenig. Bei fast frühlingshaften Temperaturen machte ich mich also auf die Suche nach einem Café. Einlass sollte ja erst ab 16:15 Uhr sein. Das DARK STORM FESTIVAL 2015 stand an.

Wie ich denn so bei meinem Kaffee saß grübelte ich, wie es die Veranstalter wohl fertig bringen würden innerhalb von 30 Minuten das gesamte Publikum einzulassen. Immerhin stand 16:45 Uhr schon der erste Act auf der Bühne. Ich kam zu dem Schluss, dass das ein Ding der Unmöglichkeit sein würde und beschloss meinen Kaffee etwas schneller zu trinken, mit dem Ergebnis, dass ich mir zu allem Überfluss auch noch dir Zunge verbrannte. Wie dem auch sei, zurück an der Stadthalle sah ich all meine Befürchtungen bestätigt.
Eine stattliche Menschenmenge hatte sich mittlerweile vor den Toren eingefunden und meine Hoffnung auf einen separaten Presseeingang erfüllten sich leider nicht. Zwar wurden die Fotopässe an anderer Stelle ausgegeben, was aber nichts daran änderte, dass man sich hernach wieder am Ende der Schlange hätte anstellen müssen. So drängelte ich mich denn mit dem wichtigsten Gesichtsausdruck der mir zur Verfügung stand, seitlich an den Eingang und schaffte es tatsächlich pünktlich im PIT zu sein, was nahezu an ein Wunder grenzte.

Es sei vorweg genommen: Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gab an diesem Abend, dann die tatsächlich sehr knapp bemessene Zeit zwischen Einlass und dem ersten Act auf dem Headquarter.

Die Dark-Rocker von UNZUCHT eröffneten den Abend und schafften es in den ihnen zugebilligten 30 Minuten schon einmal den Saal zu füllen (um 16:45 Uhr verloren sich gerade Mal eine Handvoll Zuschauer vor der Bühne) und ganz gut in Schwung zu bringen. Wie immer wussten die Hannoveraner zu überzeugen.

Als ich nach den ersten drei Titeln raus aus dem Fotograben musste, hatte ich denn endlich Muse mich etwas genauer in der Chemnitzer Stadthalle umzuschauen. Das Publikum war bunt gemischt und erstaunt konnte ich wieder einmal feststellen, dass ich bei weitem nicht der Älteste war. Das lässt hoffen, machte aber die Suche nach einem Sitzplatz zwischen den Acts auch um einiges schwieriger. Merch-Stände, Getränke, Bratwurst, Brötchen, Schmuck und Accessoires, wer denn vom Weihnachtsgeld noch den einen oder anderen Euro über hatte, konnte hier sein Geld gut unter die Leute bringen.

Pünktlich um 17:35 Uhr gab sich TANZWUT die Ehre. Überhaupt wurde die Running Order straff durchgezogen und so kam es zu keinen Verzögerungen, zumindest was den Headquarter betrifft. Da ich noch ein Musikfan der alten Schule bin, stehe ich allem elektronischen mit einer gewissen Skepsis gegenüber, wobei ich mir keineswegs anmaße Kritiken an diesem Genre zu üben. So blieb aber der Second Floor für mich an diesem Abend tabu.
Was ich schon bei vorherigen Festivals feststellen musste, bewahrheitete sich leider auch an diesem Abend. Die Mittelalterrocker hatten es schwer mit dem Publikum und die Stimmung, die bei reinen TANZWUT-Konzerten die Hallen brodeln lässt, war beim DARK STORM nur in Ansätzen zu erahnen. Sehr schade, denn TANZWUT lieferten eine gute Show ab.

Für BEYOND THE BLACK hätte das Jahr 2015 nicht besser laufen können. Als beste Newcomer-Band wurden sie mit dem Metal-Hammer-Award ausgezeichnet und spielten beachtliche Shows. Auch beim DARK STORM lieferten sie einen makellosen Auftritt ab, mit einem melodischen Sound, der schon fast zum Symphonic-Metal tendiert. Selbst dass sie nicht mit ihrem eigenen Keyboarder spielen konnten, tat dem Act keinen Abbruch.

Zwischendurch mal schnell ein Bier, zum Glück waren die Getränkestände nie wirklich überfüllt, und dann ging es 19:40 Uhr weiter mit LORD OF THE LOST.

Über die Hamburger muss man kaum noch ein Wort verlieren. Deutscher Dark Rock (wenn auch englisch gesungen) der Extra-Klasse. Wenn ich anfangs noch befürchtete, dass sich ob der ungeheuren Produktivität (seit 2010 jedes Jahr ein neues Album) sich qualitativ Abstriche einschleichen würden so konnten mich LORD OF THE LOST mittlerweile überzeugen, dass Quantität und Qualität sich nicht zwangsläufig ausschließen müssen. Ich persönlich hätte ihnen sogar zumindest den Co-Headliner-Platz des Abends zugestanden.

Mittlerweile wurde es auch während der Shows im Foyer immer voller, da doch der eine oder andere eine Auszeit benötigte. Obwohl Sitzplätze dem Anschein nach genug vorhanden zu sein schienen, reichten diese doch nicht aus. Dies gipfelte schließlich in der Aussage einer älteren Dame, die ihrem Angetrauten bedeutungsschwanger verkündete: „Ich bewege mich heute nicht mehr von meinem Stuhl weg!“ und wurde im gleichen Atemzug  ad absurdum geführt: „Wann spielt eigentlich EISBRECHER?“ Nun, bis dahin war noch ein wenig Zeit. Zunächst hielt auch auf der Hauptbühne die Elektro-Fraktion Einzug. 20:50 Uhr (nach wie vor voll im Zeitplan) WELLE ERDBALL.

Ein kurzweiliger Part, der gesanglich zu überzeugen wusste, auch wenn ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was die Protagonisten an ihren „Instrumenten“ – wie heißen die Dinger eigentlich? – anstellten.

GOETHES ERBEN ist bekanntermaßen nicht nur was für die Ohren sondern auch für die Augen. Tanzeinlagen, die fast theatralischen Charakter haben untermalen die atmosphärischen Songs, die von einer Vielzahl an Instrumenten (neben Gitarre, Bass, Keyboard und Drums unter anderem auch Cello und Violine) getragen werden. Sicher nichts für die Mittanzfraktion, dafür aber ganz bestimmt etwas für die künstlerisch etwas Anspruchsvolleren.

Um 23.45 Uhr übernahmen dann die Headliner des Abends das Zepter. EISBRECHER überzeugten mit einem Mix aus neuen Songs und Klassikern, so dass wohl nicht nur mir die 70 Minuten viel zu schnell vorbei zu gehen schienen. Dass „Alexx“ Wesselsky noch immer sehr nah bei den Fans ist, zeigte sich schon vor ihrem Auftritt als er sich förmlich bis zur letzten Minute mit den Fans im Innenraum unterhielt, sich fotografieren ließ und wie dann hernach auch auf der Bühne immer und überall gute Laune verbreitete. Mit dem MEGAHERZ-Klassiker „Miststück“ endete gegen 01:00 Uhr nicht nur die EISBRECHER-Show sondern ein rundum gelungenes DARK STORM Festival 2015. 

16:45-17:15 | UNZUCHT

17:35-18:10 | TANZWUT

18:30-19:10 | BEYOND THE BLACK

19:40-20:30 | LORD OF THE LOST

20:50-21:40 | WELLE ERDBALL

22:10-23:10 | GOETHES ERBEN

23:45-00:55 | EISBRECHER

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