Flo unterhält sich mit Lukas von Ellende

Über eine der wohl aktivsten Metalszenen in Österreich verfügt offensichtlich Graz, die Landeshauptstadt der Steiermark. Besonders in den extremen Gefilden fegt immer wieder mal der frische Wind durch und sorgt dafür, dass sich die ansässigen Bands einen Namen machen (können). Band ist aber auch nicht gleich Band. Manchmal sind nämlich nur Einzelpersonen verantwortlich. Ein solches Solo-Projekt aus Graz ist ELLENDE. Seit 2011 überschreibt Komponist, Frontmann und Künstler Lukas damit seine musikalischen Machenschaften, die sich im atmosphärischen Black Metal ansiedeln und durch ihre melancholischen und teils depressiven Elemente geprägt sind. Das jüngste Werk trägt den Namen "Weltennacht", eine EP mit drei Titeln, vollgepackt mit einer Menge Ideenreichtum und dem zugehörigen Feingefühl.

Lukas, grüß' dich. Ich freue mich, dass ich dich für ein Interview bei Lady-Metal.com gewinnen konnte, bedanke mich dafür und würde vorschlagen, wir legen gleich mal los.
"Weltennacht" ist ja bereits seit dem 22. November 2014 über Talheim Records erhältlich, jedoch nur auf Vinyl. Was war für dich der Anlass, die EP ausschließlich in diesem Format anbieten zu wollen?


Lukas:
Hallo Florian! Das war schon länger mein Wunsch muss ich sagen. Als Vinylsammler hänge ich besonders an dem Format und das passt natürlich auch super für das Artwork. Die EP ist sich von der Lauflänge dann auch gut auf zwei Vinylseiten ausgegangen und dann haben Talheim und ich entschieden: das ist der perfekte Zeitpunkt für mein ersehntes Gatefold-Release. Im Hinterkopf planen wir auch ältere Veröffentlichungen irgendwann auf Vinyl herauszubringen.

Mit einer Limitierung steigt natürlich die Begehrtheit so eines Releases immens. Kann man derzeit noch Exemplare erwerben?

Lukas:

Das Problem ist, dass die Post leider scheißteuer ist. Somit zahlt man für den Versand mehr als für die Vinyl selber, deswegen versteh ich total wenn die Leute das lieber bei Konzerten kaufen als über das Internet. Nichtsdestotrotz läuft der Verkauf gut und von der marmorierten Vinyl sind schon fast alle weg. Ein paar gibt es noch bei Talheim. Schwarze Vinyls (400 Stück) gibts noch ein paar bei mir, also dem Ellende Bandcamp Shop, und bei Talheim.


In der zweiten Hälfte vom Song "Weltennacht" hast du die Szene um das Ableben von Budd Dwyer verbaut. Welche Message soll damit und mit dem Titel allgemein an die Zuhörer gehen?

Lukas:

Teratogen und ich sind bereits seit über einem Jahr an unserem Musikvideo beschäftigt. Hinter Weltennacht steht im Endeffekt nicht nur diese Message, im Teaser sieht man auch die Richtung in die es geht. Das wird dann verständlich wenn das Video draußen ist.

Was kommt nach "Weltennacht": Gibt es bereits Pläne oder Tätigkeiten für ein neues Album?

Lukas:

Das Studio ist bereits für November gebucht, ich hab wieder ca. 50+ Minuten selektiertes Material das wir dann aufnehmen werden, es wird also wieder ein Album mit aufwändigem Digipack oder ähnliches geben, das haben wir schon alles besprochen. Artwork mach ich natürlich auch wieder selber, das lass ich mir nicht nehmen.


Bei ELLENDE kommen ja auch des Öfteren klassische Instrumente wie Akustik-Gitarre oder Cello zur Verwendung. Welche Stimmungen sollen diese Instrumente in deinen Songs vermitteln?

Lukas:

Das war für mich von Anfang an ein „Muss“ diese Instrumente einzubauen, die Untermalung mit einzelnen Streichern oder Duett ergibt für mich ein volleres Ganzes und eine eigene Stimmung. Andererseits finde ich diesen Kontrast einfach spannend. Der Song soll Höhen und Tiefen haben, sich aufbauen, sich auflösen und was erzählen. Beruhigen und zerstören. Ich find ja auch den primitivsten Black Metal sehr geil und sammle wie verrückt allesmögliche, aber das ist halt mein Ding und das was ich speziell mit Ellende machen will, sonst wär das Gesamtpaket unauthentisch und dann würde ich es nicht machen.

Einhergehend damit: Was macht deiner Meinung nach den Stil von ELLENDE so individuell?

Lukas:

Weiß ich nicht. Ich hab sehr konkrete Vorstellungen was ich will und was nicht und das mach ich dann, ist mir eigentlich wurst ob das sehr individuell ist, ich verlass mich bei Musik, die ich schreibe, sehr auf mein Bauchgefühl. Bei „Rückzug in die Innerlichkeit“ wollte ich anfangs meinen Namen komplett verbergen und das einfach so und heimlich veröffentlichen, damit man die Musik ohne Drumherum und Herkunft genießen kann. Aber im Endeffekt kam dann die Live-Umsetzung dazu und somit war's unumgänglich öffentlich zu sein. Ein Black Metal Synonym hab ich nach langem Überlegen auch ausgeschlagen.

Für mich war immer nur fix, dass alle Streich- und Akustikinstrumente echt sein müssen und nichts unnatürlich sein darf und dass ich den „Ellende Stil“ weitestgehend durchziehe. Da ich vor Ellende schon Studioerfahrungen hatte,  wollte ich mir da auch keine Grenzen setzen, sowohl von den Instrumenten her als auch finanziell und hab mir da keinen Stress gemacht, gespart und ausgiebig vorbereitet.

Dass man im Black Metal, egal wie man ihn auch auslegt, von vornherein immer Gegner hat das muss einem halt klar sein. Anpassung ist für mich jedenfalls genauso wenig Black Metal wie Philanthropie. „Eine Kunst die sich anbiedert ist eine schlechte Kunst“ wie Serdar Somuncu gesagt hat. Ich darf mich hier aber echt überhaupt nicht beschweren, Rückmeldungen sind auf Online-Plattformen, Social Networks und Live immer super. Man darf sich halt auch nicht immer zu ernst nehmen und sich wie ein Würstl aufführen.


Du komponierst ja nicht nur die Musik selbst, sondern sorgst auch für die künstlerische Gestaltung der Artworks. Ist das eine Leidenschaft oder hat es z.B. mit deiner beruflichen Ausrichtung zu tun?

Lukas:

Ich denke hauptsächlich Leidenschaft. Ich studiere Architektur und führe nebenbei ein Kleinstgewerbe für Werbegrafik. Da mache ich natürlich u. A. auch Artworks, Reinzeichnungen, Broschüren etc. und habe auch öfters bei Werbeagenturen gearbeitet.
Aber ein Ölgemälde als Artwork zu nehmen war natürlich was Neues. Man muss da auch ein bisschen unterscheiden zwischen Artwork und Layout. Das eine hilft dir ohne dem anderen nichts. Heutzutage schimpft sich ja jeder Trottel „Designer“, der irgendwann mal mit Photoshop was für irgendeine Band gemacht hat und die Druckfirmen absagen müssen weil sie mit dem gelieferten Zeug nichts anfangen können. Du glaubst nicht wie oft das passiert, dass mich Matthias von Talheim anruft und wir nachbearbeiten müssen bis zum umfallen, weil der „Designer“ nicht weiß was ein Template, Kontrollstreifen oder Druckprofil ist, die absoluten Basics.
Ansonsten find ich's natürlich saucool wenn Bands das selber machen und die Möglichkeit dazu haben.

Kommen wir zum Schluss noch zum Live-Geschehen. Wo kann man demnächst bzw. im zweiten Halbjahr 2015 ELLENDE live erleben?

Lukas:

Dieses Jahr gibt es nur mehr einen Auftritt in Zürich (17. Oktober), da wir ja das Album aufnehmen wollen. Zum Release ist wieder eine Europatour angeplant, falls möglich. Jetzt kommen mal neue Patches und evtl. neuer Merch und nicht zu vergessen: Das Weltennacht-Video!


In Anbetracht des Stils von ELLENDE: würdest du sagen ein Applaus nach einem Song ist eher eine Bestätigung für dich und deine Live-Besetzung oder schadet das der erzeugten atmosphärischen Stimmung?

Lukas:

Applaus oder ähnliches sind immer Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung, wüsste nicht warum das nicht erwünscht sein soll. Im Idealfall pushen sich ja Band und Publikum gegenseitig.

Man merkt halt schon, dass die Musik in erster Linie nicht nur für Liveauftritte und Publikumsmotivation ausgelegt ist, es gibt auch Passagen wo ich als Sänger mal länger nichts mach, weil's meiner Meinung nach gerade nicht zum Liedteil passt. Im Endeffekt ist das wichtigste Mitglied in der Band nicht der Sänger, Gitarrist oder Drummer, sondern der Song.
Das hat mich in Bands immer genervt, dass sich jeder in den Vordergrund drängt und sein Instrument hervorstechen lassen will und die Musik überladen und eintönig wird weil niemand mehr auf das große Ganze schaut und was gut harmonieren könnte. Viele Bands funktionieren so, aber das ist für mich egoistischer als ein Soloprojekt zu machen.

Die letzten Worte gehören klassischerweise dem Interviewpartner und damit dir. Was möchtest du der Leserschaft noch mit auf den Weg geben?

Lukas:

Herpes. Jedenfalls danke und beste Grüße an alle!


Vielen Dank für das Interview.


Flo für Lady-Metal.com


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