Laura befragt Ewigheim per Mail

Ewigheim
Quelle: Massacre Records

Im Namen von Lady-Metal.com danke ich Euch schon mal für das Interview.

 

Laura: Nach acht Jahren Pause seid Ihr endlich zurück - war es immer klar, dass es mit Ewigheim weiter gehen würde?

Yantit: Eigentlich schon, aber irgendwie auch wieder nicht.  Wir haben zwar immer wieder darüber gesprochen ein weiteres Album zu machen, es dann aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht getan. Mal haperte es an zwischenmenschlichen Dingen (solche Phasen gab es immer wieder und wir nehmen sie schon lange nicht mehr ernst), dann wieder an der nötigen Zeit oder auch einfach nur am fehlenden freien Kopf. Zwischenzeitlich kamen uns dann wirklich schon mal Zweifel, ob es überhaupt noch mal klappen wird… Wie dem auch sei..

 

Laura: Inwiefern hat die lange Pause die Band verändert, konzeptionell und musikalisch?

Yantit: Eigentlich gar nicht. Wir haben ein sehr genaues Bild vom Rahmen, in dem sich die Band bewegen darf und er ist ungemein eng. Es ist nicht so, dass wir über diese Dinge reden müssen, im Gegenteil, wir wissen einfach, wie Ewigheim zu klingen hat… Alles Weitere ergibt sich dadurch beim Schreiben der Stücke von selbst. Wenn sich etwas nicht nach Ewigheim „anfühlt“ arbeite ich nicht weiter daran und es landet in der Tonne. Bei Allen’s Gesang ist es ähnlich: In Verbindung mit den Texten hat er, sobald er in deutscher Sprache zu singen beginnt, bereits den „Ewigheim spezifischen“ Unterton, der das ganze so unverwechselbar macht. Dazu, dass „konzeptionelle Veränderungen“ Ewigheim auf den Kopf stellen würden, möchte ich gar nichts weiter sagen, die meisten werden im Verlauf des Interviews sowieso erkennen das es so ist.  

 

Laura: Ist es manchmal schmerzhaft, die Priorität nicht auf Ewigheim legen zu können?

Yantit: Nein, warum? Ewigheim ist in erster Linie meine persönliche Grundeinstellung, nach der ich auch ohne die Band lebe… Den ganzen Tag. Alles was davon anhand der Texte für andere sichtbar wird, ist nicht mehr als ein Teil meines Lebens. Ich halte schon seit Jahren, alle möglichen Gedanken stichpunktartig auf kleinen Zetteln fest, das kann morgens bei der ersten Zigarette, bei einer Autofahrt oder auch mitten in der Nacht der Fall sein. Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, nehme ich mir die Zettel dann wieder zur Hand, spinne einige Gedanken weiter und aus manchen wird eben ein Text.

Aber ich weiß, was du meinst und denke es ist gut so wie es ist. Wir haben als Band gelernt wann es fruchtbar ist, gemeinsam an etwas zu arbeiten und wann es besser ist, sich gegenseitig in Ruhe zu lassen. Würden wir uns häufiger sehen, als es im Moment sowieso der Fall ist, gingen wir uns sicher bald wieder auf den Sack! °lach° Von daher spielt die Priorität, bezogen auf alle anderen Aktivitäten überhaupt keine Rolle.

 

Laura: Hinter den Texten verbirgt sich bei euch so einiges - wie läuft da das Songwriting ab?

Yantit: Den, die Texte betreffenden Teil, der Frage, habe ich ja eigentlich schon beantwortet. Was die Musik betrifft, ist es wesentlich unkomplizierter: Wenn ich die grundlegenden Parts zu den einzelnen Stücken geschrieben/ zu Probezwecken aufgenommen habe, treffe ich mit Allen B. um sie zu arrangieren. Er hat dafür einfach das bessere Händchen und vor allem die nötigen „frischen Ohren“. Steht dann der Aufbau eines Liedes, gibt es fast immer schon eine Textidee dazu, der Text wird dann nur noch angepasst bzw. fertig geschrieben.

Ewigheim
Quelle: Massacre Records

Laura: Die Grundthematik bei Ewigheim ist der Tod aus verschiedenen Blickwinkeln. Wird Ewigheim immer bei diesem Thema bleiben?

Yantit: Im Prinzip schon…  Ich habe mir eben mal deine Besprechung zu „bereue nichts“ angesehen, darin beschreibst du das ganze schon sehr treffend: „…Sie sind poetischer geworden, aber auch zynischer. Motiv ist diesmal kaum weniger als das Leben selbst in seiner vollen Undankbarkeit. Dafür aber sind alle wirklich gleich vor Ewigheim“. Das Problem ist nicht der Tod, im Gegenteil, der Tod sollte vielmehr die Lösung aller Probleme sein. Wenn es so etwas wie eine Grundaussage gibt, dann ist diese, sich unter keinen Umständen selbst zu quälen oder quälen zu lassen.

 

Laura: Ihr habt ja auch mit euren anderen Bands Erfahrungen gesammelt. Inwiefern hat sich das auf die Arbeit für Ewigheim ausgewirkt?

Yantit: Ich würde es nicht „ausgewirkt“ nennen. Natürlich macht man im Laufe der Zeit seine Erfahrungen in der jeweiligen Band und wendet das „Gelernte“ automatisch auch in den anderen an. Das hat jedoch eher etwas mit der persönlichen Entwicklung als der Zahl an musikalischen Betätigungsfeldern zu tun.

 

Laura: Der Vergleich mit den alten Alben wird automatisch gemacht. Aber wie seht Ihr es, worin unterscheidet sich "Bereue Nichts" von seinen Vorgängern?

Yantit: Vom Bauchgefühl her würde ich sagen, „bereue nichts“ liegt musikalisch und inhaltlich irgendwo zwischen den ersten beiden Platten. Als wir mit Ewigheim begannen, reizte mich dabei vor allem die Möglichkeit, verbal mit der groben Kelle auszuteilen. Ich war jung, chronisch angepisst und es interessierte mich einen Scheiß, ob ich mit den Texten die Gefühle anderer Leute verletze… Im Gegenteil.. Als „Heimwege“ entstand, hatte ich eine sehr schlimme Zeit, die vom Verfall meines Vaters überschattet war, was man dem Album meiner Meinung nach auch deutlich anhört. Jetzt, da er tot ist, ist alles ein wenig einfacher und ich kann mich wieder aufs Angepisstsein konzentrieren. °lach° Was die Musik angeht, findet sich die größte Veränderung sicher in den Leadgitarren, es gab zwar auch auf den ersten beiden Alben welche, jedoch nie so stark in den Vordergrund gerückt und auch nicht so ausgeklügelt, wie von Schwadorf auf „bereue nichts“ zum Besten gegeben.

Laura: Wie kamt Ihr eigentlich auf die Idee, solch zum Teil drastische Bilder mit eingängigen, recht popigen Melodien zu verbinden?

Yantit: Das ist der ursprüngliche Plan hinter Ewigheim. Wir hatten schon immer Freude daran, den Leuten etwas wirklich Bitteres als „Schokolade“ zu verkaufen. Wie gut wir darin sind, wurde mir klar, als M. Roth (Eisregen Sänger) eines Tages erzählte, dass sein Sohn im Kindergarten „dein Zweck“ (im Refrain heißt es: „töte dich, erfreue mich mit deinem Tod, ich spucke deiner Leiche lachend ins Gesicht und scheiß auf deine Not“) gesungen hat. °lach°

Ewigheim
Quelle: Massacre Records

Laura: Habt ihr musikalische Vorbilder?

Yantit: Ja, bei Allen B. ist es Beethoven, bei Schwadorf Brendan Perry von Dead Can Dance und bei mir menschlich wie musikalisch Peter Steele.

 

Laura: Das letzte Lied ist bei Ewigheim immer etwas Besonderes. Woher kam die Idee dafür? Sind dies die berühmten letzten Worte einer Band zu ihrem Album?

Yantit: Junge, Junge… du hast es drauf. Das „letzte Lied“ hat bei Ewigheim in der Tat schon immer eine große Rolle gespielt… Frag mich nicht warum, unter Umständen hat es etwas damit zu tun, dass es wirklich das letzte Lied werden könnte. Ein Album ist fertig und man kann sich nie ganz sicher sein, ob es noch ein weiteres geben wird. Von daher sollte unser „letztes“ Lied immer etwas Endgültiges in sich tragen.

 

 

Laura: Die Band ist jetzt größer geworden. Wie kam es zum Bandbeitritt von Schwadorf?

Yantit: Schwadorf hatte am Erscheinungsbild Ewigheims schon immer einen großen Anteil. Wir hatten nie einen anderen Produzenten und sein Zutun ging von Anfang an weit über das hinaus, was man aufgrund seiner Produzententätigkeit von ihm hätte erwarten müssen. So war es eigentlich nur Formsache, ihn zum festen Mitglied zu machen… Quasi vom Schwarzarbeiter zum offiziell Angestellten. °lach°

 

Laura: Wie sieht es aus, habt Ihr Lust, mit Ewigheim auf Tour zu gehen?

Yantit: Nein, keiner von uns ist das, was man einen „Tourmenschen“ nennen könnte und wir sind auch im Umgang mit fremden Menschen recht kompliziert. In der Vergangenheit haben wir mit Eisregen einige Touren gespielt und es gab jedes Mal, nach spätestens nach zwei Tagen eine Person, die ich am liebsten „ausradiert“ hätte.  Wir werden es einfach auf ein paar Einzelkonzerte beschränken und dann weiter sehen.

Laura: Wie wird es überhaupt mit Ewigheim weitergehen, ist eine Fortsetzung geplant?

Yantit: Ja, es wird auf jeden Fall ein viertes Album geben, kein Ahnung wann es soweit sein wird.

 

Laura: Bei Ewigheim fallen die Käfer auf; bei Heimwege, im Logo und diesmal auch auf dem Albumcover - Welche Bedeutung haben sie?

Yantit: Zum einen finde ich sie einfach schön, auf der anderen Seite sind sie auch eine Allegorie auf alles, was übersehen wird. Die meisten Menschen bemerken einen Käfer doch erst, wenn unter ihrem Schuh etwas klebt…

 

Laura: Möchtet Ihr noch etwas am Ende sagen?

Yantit: Ich danke dir für das Interview und dein Interesse, die Fragen haben mir wirklich Freude gemacht. Das Dankeschön geht natürlich auch an die LeserInnen.

 

 

Vielen Dank für das Interview - Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg in Euren Bands!

 

 

Laura für Lady-Metal.com

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