20.10.16
Kategorie: Allgemeines

Von: Lady_Metal

Biografie über Peter Steele (Carnivore /Type O Negative) „Soul On Fire“ erscheint


Am 21.11. erscheint im Verlag Nicole Schmenk die lang erwartete Biografie über Peter Steele (Carnivore /Type O Negative) „Soul On Fire“.

„Soul On Fire" bietet einen umfassenden Blick in das öffentliche Leben und die Privatsphäre eines der komplexesten und provokantesten Charaktere der Musikszene. Peter Steeles einzigartige Vision bleibt ohne Beispiel - von seinen unbändigen Anfängen mit Carnivore bis zu den Platin-Sellern Type O Negative, mit denen er den Status eines Halbgottes erlangte. Er hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck bei seinen Fans und verpasste der Popkultur ein blaues Auge, sei es zu Hochzeiten des New York Hardcore in den 1980ern, als Bass-Vampir mit Verzerrer und Grabesstimme oder auf dem Titel des Playgirl 1995.

SOUL ON FIRE - eine Geschichte, die zu erzählen längst überfällig war.

Jeff Wagner: Soul On Fire. Leben und Musik von Peter Steele.
308 Seiten / 16 farbige Fotoseiten
Gebundene Ausgabe
Verlag Nicole Schmenk
ISBN: 978-3-943022-34-6
Übersetzung: Andreas Schiffmann
VÖ: 20.11.2016
VK: 19.90 €

Leseprobe:
Ihr glaubt an ein ewiges Leben? ich verlasse mich nicht einmal darauf, dass es ein Morgen gibt.”  Peter Steele

Dort oben wirkt der Halbgott mit der schwarzen Mähne unbezwingbar. Sein Erscheinungsbild, wenn er so kampfbereit dasteht mit der viersaitigen Axt, die an seiner linken Schulter hängt, derweil ihm Tausende ergebene Vasallen an den vollen Lippen hängen, gebietet Ehrfurcht, und jede seiner Bewegungen hat besondere Bewandtnis. Er verfügt über die Anziehungskraft eines Diktators, der bei einer Kundgebung Riesenmassen in seinen Bann schlägt. In diesem Moment kann er nicht sterben; in diesem Moment ist er alles, was zählt … und wäre am liebsten zu Hause bei Mom und Dad in Brooklyn, in seinem Kellerzimmer bei seinen Katzen, Elektrowerkzeugen und Fachbüchern. Er hat buchstäblich die Hose voll. Das Lampenfieber ist nicht zu ertragen. Wir schreiben den 28. Juni 1996 und befinden uns auf dem Roskilde Festival in Dänemark. Der Hüne und seine drei Gefolgsmänner bieten ein bedrohliches Bild auf der Bühne, ein jeder wie ein Titan, was seine Körpergröße angeht. Die Rhythmen erschüttern wie Donnerschläge, unheilvolle Melodien fließen zäh aus den Lautsprechern, Gitarre und Synthesizer spinnen durchscheinend bunte Netze, das Licht pulsiert … Tausende Europäer werden Zeuge, während sich die Leidenschaft des Quartetts explosionsartig verbreitet. Selbiges, eine Rotte beflissener Barbaren unter dem Banner Type O Negative, hat einen langen Weg aus seiner Heimat hinter sich und durfte anders als sonst in ihrer bisherigen Karriere, die unter einem Fluch steht, ausnahmsweise pünktlich auf die Bühne steigen, auf der alles glattgeht. Der Pulk verschlingt „Christian Woman”, „Blood And Fire” und andere Zauber geradezu, welche die Band über ihn spricht. Sie ist mit dem ausgesprochen erfolgreichen Zugpferd Bloody Kisses in der Hinterhand eingetroffen, derweil ein neues – October Rust – mit den Hufen scharrt, um im August losgelassen zu werden. Daraufhin wird es ebenfalls gut im Rennen liegen. Der schwarz-grüne Klüngel ist im Begriff, sich noch mehr Gold und Platin ans Revers zu heften.
Für Rädelsführer Peter Steele stand das Jahr 1996 im Zeichen verlorener Unschuld. Der Bassist, Sänger und Komponist befindet sich schon seit Anfang der 1980er auf einer Mission. In der Band Fallout, die er nach der High School gründete, wurde er in Brooklyn zum Lokalhelden, bevor der garstige Nachfolger Carnivore dem New Yorker Underground Mitte des Jahrzehnts eine beinharte Faust ins Gesicht rammte. Mit der Veröffentlichung von Type O Negatives Debüt 1991 vollzog er den letzten Schritt zur Umsetzung seiner Vision. In den folgenden Jahren wurde die Gruppe zu einer tonangebenden Macht in der Rock- und Metal-Szene, wiewohl sie stets gegen jeden Strom schwamm. Massiver Erfolg hin oder her: Peter drohte unter dem Erwartungsdruck von außen sowie an privaten Rückschlägen zu zerbrechen. Während er auf kreativer Ebene nie etwas anbrennen ließ, rang der knapp 2,10 Meter hohe Riese mit einigen persönlichen Übeln und Versuchungen, die ihn über die Jahrtausendwende hinaus quälen sollten. Er behielt sich so weit im Griff, dass er einen stattlichen Katalog an Musik schreiben und aufnehmen konnte, der seinen Zuhörern und Anhängern dabei half, ihre eigenen Dämonen auszutreiben. Doch im Bestreben, Type O Negative auf Trab zu halten, wobei er jedem in seinem Umfeld, der Beistand benötigte, in seiner übermäßigen Güte eine Hand reichte, entging ihm bisweilen, dass er sich selbst helfen musste. Andere zu unterstützen fiel ihm leicht – darin war Peter ebenso bewandert wie als Songwriter. Seine Selbstlosigkeit wurde eigentlich sogar fast so legendär wie seine Musik an sich. Dennoch litt er unter Depressionen und gerierte sich zum ausgemachten Zyniker, um seine Verunsicherung zu kaschieren. Das Leben war schwierig genug, es im Rampenlicht zu ertragen umso schwieriger. Tourneen entsprachen seinem Geschmack überhaupt nicht. So lange von zu Hause fort zu sein, das hatte er sich nie gewünscht. Aber seine künstlerischen Träume machten es zur Notwendigkeit und Begleiterscheinung von immensem Talent sowie unermüdlichem Schaffensdrang. Peter hätte lieber tagtäglich für das New York City Department of Parks and Recreation gearbeitet. Dies hatte er sehr gern getan, aber aufgeben müssen, als ihn die Anforderungen, die der Erfolg als Musiker mit sich brachte, zur Entscheidung für eine Seite zwangen. Immerhin war er lediglich der Sohn einer Arbeiterfamilie aus Brooklyn. Goldalben und Heerscharen, die vor ihm auf die Knie fielen, änderten nichts daran, dass sein Herz für Midwood, Prospect Park und seine Bude in der 18th Street schlug, eine behagliche Wohnung unter jener seiner Eltern. Den Weg dorthin beschrieb er selbst so: „Hinter dem Marienschrein abbiegen, an den acht Mülltonnen vorbei und die Treppe nehmen, die wie der Eingang zu einer Gruft aussieht, dann unterm Heizungsrohr durchgehen, und du bist da.” Seine Begabung nötigte Peter zu weltweitem Ruhm, doch die Vertrautheit seiner eigenen beschaulichen Umgebung und das einfache Leben abseits der Scheinwerfer und Kameras, nach dem er sich sehnte – darin ging er in Wirklichkeit auf...


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