Aenaon - Extance

Aenaon

Band: Aenaon

Album: Extance

Label: Code666

Release Date: 20.01.2014

Genre: Avantgarde Black Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:

01. The First Art
02. Deathtrip Chronicle
03. Grau Diva
04. A Treatise on the Madness of God
05. Der Mude Tod
06. Pornocrates
07. Closer to Scaffold
08. Land of no Water
09. Algernon's Decadence
10. Funeral Blues
11. Palindrome

Lineup:

Astrous – Vocals
Achilleas C - Guitars
Anax - Guitars
Thyragon - Guitars
Nycriz - Drums, Percussions

Besten Dank an Code666 zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Sind das Sackpfeifen oder Keyboardsamples… und wie bitte gehören diese Klänge mit der düsteren Musik im Hintergrund zusammen? Diese und ähnliche Fragen stellte ich mir während dem Intro zu AENAONs neuem Album „Extance“. Ich kannte die Band nicht und war mir schon nach wenigen Sekunden unsicher, ob mich nun Folk, Avantgarde oder Blackmetal erwartet. Das besondere an diesem Hörerlebnis war allerdings nicht dieser irritierende Einstieg, sondern dass ich mir diese Frage im weiteren Verlauf immer wieder stellen musste. Während die Bläser den Song „Deathtrip Chronicle” nach progressivem Pagan klingen und an DYRATHOR erinnern lassen, weckt das folgende „Grau Diva“ völlig unterschiedliche Assoziationen - von MOTÖRHEAD bis SHINING ist alles vertreten. Ich könnte die folgenden Songs auf ähnliche Weise beschreiben, doch versuchen wir zunächst etwas Ordnung in dieses Chaos zu bringen.

AENAON stammen aus Griechenland und treiben dort anscheinend schon seit dem Gründungsjahr 2005 ihr Unwesen. Gespielt wird eine technische Blackmetal-Variante, welche allerdings für Einflüsse aller anderen Subgenres oder Musikstile geöffnet wird. „A Treatise on the Madness of God“ beinhaltet beispielsweise mehrere Jazz-Parts, während „Algernon's Decadence“ in verspielte Klassik-Gefilde vordringt. Diese Vielseitigkeit findet auf allen Ebenen statt und umfasst das Tempo, den Einsatz des Instrumentals sowie die Art des Gesangs. Letzterer wechselt in unregelmäßigen Abständen zwischen typischem Keifen, cleanen Vocals und Chorälen. Diese Unberechenbarkeit lässt „Extance“ wie ein Überraschungsei wirken, bei dem der Hörer nie weiß, welches Geheimnis als nächstes auf ihn wartet (Ist es vielleicht das kleine Auto zum Zusammenbauen? Ich will das kleine Auto!).

Vereinzelt werden neben Schlagzeug, Gitarre und Bass auch exotische Instrumente in die Songs integriert, wodurch eine weitere Ebene auf dieses ohnehin schon komplexe Kartenhaus aufgestockt wird. Struktur und technische Leistung der einzelnen Musiker sind wirklich beachtlich und rechtfertigen allein schon ein Interesse an diesem Tonträger. Ich frage mich nur, ob tatsächlich auch jeder Leser etwas mit dieser reichhaltigen Kost anzufangen weiß (oder dies überhaupt will). Ich bin mir sicher, dass einige Musikfreunde aus meinem Bekanntenkreis, diese Songs schlicht für überladen halten würden. Letztendlich wird jeder Leser nach diesem Review selbst entscheiden müssen, ob er sich auf ein derart unberechenbares Abenteuer einlassen möchte oder nicht.

Fazit:
AENAON ist nichts für schwache Nerven. Hausaufgaben machen oder seine Diplomarbeit vorbereiten kann man während dieser Hintergrundmusik vergessen. Ob die Kompositionen auf diesem Album eine sinnlose Aneinanderreihung unterschiedlichster Parts oder doch eher die geniale Verschmelzung verschiedener Musikstile sind, kann und mag ich nicht objektiv beurteilen. Ich schreibe nur soviel: Wer gerne mal einen Metalsong mit Mundharmonika hören möchte, muss sich mit diesem Album auseinandersetzen.

PS: Meine Anlage verfügt über die Möglichkeit der automatischen Lautstärkeregelung und war durch die harten Breaks und plötzlichen Wechsel des gesamten Settings derart überfordert, dass sie an manchen Stellen einen ganzen Moment benötigte, um wieder zu begreifen, was hier für ein böses Spiel gespielt wird. In diesen Momenten hatte ich für kurze Zeit starke Sprünge zwischen den Lautstärken. Ich möchte diese Anekdote ans Ende der Rezension setzen, um nochmals darauf aufmerksam zu machen, wie abgedreht diese Musik komponiert wurde. AENAON sind wirklich die MONOLITH DEATHCULT des Blackmetals!

Hardy für Lady-Metal.com