Alcest - Shelter

Alcest

Band: Alcest

Album: Shelter

Label: Prophecy Productions

Release Date: 17.01.2014

Genre: Post Rock

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Wings
02. Opale
03. La Nuit Marche Avec Moi
04. Voix Sereines
05. L'Eveil Des Muses
06. Shelter
07. Away
08. Délivrance

Lineup:
Neige – Guitars / Bass / Vocals / Synthesizers
Winterhalter - Drums

Besten Dank an Starkult Promotion zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Mit einem neuen Album von ALCEST ist es immer so eine Sache. Ttrotz des unverkennbaren Stils der Truppe weiß man als Hörer nie, was einen denn nun tatsächlich so genau erwartet. Die Franzosen bieten meiner Ansicht nach mit jedem Output eine Art Sneak-Preview des Musikbusiness. Klang „Tristesse Hivernale“ noch nach ungestümem Blackmetal, nahmen die Einflüsse aus Djent und Shoegaze auf den folgenden Alben immer stärker zu. Ähnlich wild gestaltete sich in den letzten Jahren auch die mediale Auseinandersetzung mit Neige und seinem Studiokollegen. Während einerseits starke Kritik bezüglich Querverbindungen zu anderen französischen Bands geäußert wurde, verglich die New-York-Times ALCEST sogar mit der irischen Musikerin ENYA. Ob diese Parallele zutrifft oder nicht möchte ich an dieser Stelle dahingestellt lassen. Stattdessen richten wir unser Augenmerk auf das backfrische Album „Shelter“.

Nach einem kurz gehaltenen Intro startet der Langspieler gleich mit der vorab ausgekoppelten Single „Opale“. Viele Fans dürften durch diesen Song bereits im Vorfeld irritiert worden sein. Die Metaleinflüsse scheinen gänzlich verschwunden zu sein und lassen dafür Raum für ruhige Melodien und einen durchweg glasklaren Gesang. Sicherlich war diese Dosis Pop bisher auf keinem Release der Band in solchem Maße hörbar (nicht mal auf „Les Voyages de l’ame“), allerdings beschränkt sich diese Entwicklung lediglich auf den Härtegrad der Musik. Die Songstrukturen sind ähnlich verspielt und von Riffwiederholungen geprägt wie man es von den Musikern erwartet. Meist bauen sich die Stücke langsam auf, um gegen Ende für einen kurzen Augenblick zu explodieren (beispielsweise indem die hintergründig abgemischt Doublebase einsetzt).

Die größte Überraschung wartet auf den Hörer aber erst nachdem die ersten Minuten verstrichen sind. So musste ich feststellen, dass es sich bei der Single sogar noch um einen der schwächeren Songs handelt. „Voix Sereines” oder „Away” glänzen durch verträumte Melodiebögen und werden so zu absoluten Höhepunkten der Platte. Vereinzelt tauchen sogar Pianosamples oder Streicheinlagen auf, welche für die nötige Abwechslung zwischen den einzelnen Stücken sorgen. Insgesamt stellt dieses Album meiner Ansicht nach aber definitiv ein Gesamtwerk dar, welches Zeit benötigt, um sein Potential gänzlich zu entfalten. Diese Scheibe ist somit sicher nichts für allzu impulsive Gemüter.

Dem Pressetext konnte ich entnehmen, dass Neige die aufgenommenen Kompositionen in ihrer Gänze dem Meer widmet, welches für ihn einen Rückzugsort vor dem Trubel des Alltags darstellt. Diese Widmung scheint mir äußerst gelungen und findet sich in der Stimmung wieder, welche die Tracks bei mir geweckt haben. Sicherlich muss “Shelter“ nicht zwangsläufig mit dem großen Teich in Verbindung gebracht werden (der ja definitiv nicht unbedingt als Ruhepol fungiert, sondern für viele Menschen auch mit Ängsten und Unruhe assoziiert wird), allerdings passt das auf Platte gepresste Feeling eindeutig zu jedem Moment der inneren Stille – Völlig gleich ob dieser nun in dem eigenen Einzimmerapartement oder auf weiter Flur mitten an einem Ostseestrand stattfindet.

Fazit: ALCEST haben es wieder geschafft ein ganz eigenständiges Werk voller Tiefgang zu schaffen. Trotz des vielseitigen Songwritings kann ich allen Freunden härterer Klänge von diesem Album nur abraten. Zu keiner Zeit wird geschrabbelt, gewütet oder zerstört. Wer jedoch Urlaub von dem ganzen Stress seiner Umwelt benötigt, kann sich von „Shelter“ inspirieren lassen, die Augen zu schließen und sich auf eine Reise der ganz anderen Art zu begeben.

Hardy für Lady-Metal.com