Anamnesi - Descending the Ruins of Aura

Anamnesi

Band: Anamnesi

Album: Descending the Ruins of Aura

Label: Naturmacht Productions

Release Date: 30.09.2012

Genre: Ambient Black Metal

Rezensent: Chris

Tracklist:
01. Intro (First Descent)
02. Litany Of Suffering And Reaction
03. La Quiete Del Silenzio
04. Nocturnal Path
05. Toward Rebirth
06. Annega La Coscienza
07. Julia Carta
08. Ciò Che Una Volta Era (Burzum Tribute)

Lineup:
Anamnesi - All instruments
Xul - Keyboards

Danke an Naturmacht Productions für das zur Verfügung stellen des Albums.

Beurteilung

ANAMNESI ist eine Ein-Mann-Band aus Italien, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Nach dem selbstbetitelten Debüt 2010 folgt nun, zwei Jahre später, der nächste Longplayer mit dem Titel "Descending the Ruins of Aura". Musikalisch bietet sich einem eine Mischung aus Ambient und Black Metal. Als Gastmusiker gibt sich Xul die Ehre und hat zu einigen Songs die Keyboard-Parts beigesteuert.

Im Intro wirken diese auch schon gekonnt auf den/die Hörer/in ein. Langsam gesellt sich ein, im Ansatz zu erkennender, Männerchor dazu. Das ganze wird untermalt von Drums, die nach einem Aufmarsch des Heeres klingen, um dann in den ersten Song überzugehen. Hier wird dann auch gleich geklotzt, anstatt zu kleckern. Rhythmisch rattert das Drumset auf einen ein, während die aggressiven Vocals die Extrawürze verleihen. Erst nach knappen vier Minuten bleibt Zeit zum Durchatmen, als sich abrupt ein Ambient-Klangteppich aufzubauen vermag. Der Song klingt dann mit einer Mischung aus beiden Genres und teilweise gesprochenem Gesang aus. Ähnlich wie bei diesem Stück sind alle Songs aufgebaut und doch wirken sie zu keinem Zeitpunkt langweilig. Das Tempo variiert bei den einzelnen Songs zwischen düster-schleppendem Midtempo und rau-rumpeligem Gepolter und ist somit der Abwechslung mehr als dienlich. Wenn man das Intro nun mal außen vor lässt, bleiben gerade einmal zwei Stücke unter der 5-Minuten-Marke. Genug Platz also, um die Atmosphäre und Energie in ihrer Gesamtheit musikalisch-kreativ zu verarbeiten. Sprachlich agieren die Texte zwischen Italienisch und Englisch. Mehr kann man ich dazu leider nicht sagen, da mir die genauen Wortlaute nicht vorliegen. Jedoch sei erwähnt, dass die Vocals auch perfekt als weiteres Instrument im Sinne der Intensität agieren. Die eingeworfenen Naturelemente dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ob es nun zwingend noch ein Burzum-Cover zum Abschluss der Platte gebraucht hätte, sei aus moralisch-ethischen Gründen einfach mal dahin gestellt.

Um dieses Album als Gesamtkunstwerk zu betrachten, möchte ich noch einige Worte zum Cover-Artwork verlieren. Dieses wird von einer Zeichnung aus der Feder von Mark Thompson geziert. Auffällig ist in erster Linie, dass weder der Bandname, noch der Albumtitel, ihren Platz darauf gefunden haben. Außergewöhnlich, doch so bleibt der Blick fürs Wesentliche. Gezeigt wird eine triste Landschaft im Sepia-Stil, die wie ein altes Foto erscheint. Die Straße ist gefroren und die Hügellandschaft verschneit. Die nebelverhangenen Berge im Hintergrund werden von Waldstücken geziert. Wirkt bedrückend, trist und doch anziehend. Passt also sehr gut zu diesem Release.

Fazit: "Descending the Ruins of Aura" ist intensiv, verstörend und doch schön zugleich. ANAMNESI hat sich deutlich vom Vorgänger bis zu diesem Werk gesteigert. Das Ein-Mann-Projekt erschafft mystische Klangbilder, die im nächsten Moment von aggressiven Schwarzmetall-Parts eingerissen werden. An der Produktion kann man keinesfalls etwas aussetzen - alles sitzt am richtigen Fleck. Beachtlich an dieser Stelle auch, dass alle Instrumente (ausgenommen die Keyboards) vom Musiker selbst eingespietl wurden. An sich nichts neues, doch herrscht hier eine Präzision und Liebe zum Detail, die nicht oft erreicht wird. Dazu kommt ein angenehmer Schmutzfaktor, fernab jeglichen Mainstreams. Die Band sollte ihre Stellung im italienischen Black Metal mit diesem Album definitiv festigen. Naturmacht Productions rücken auf jeden Fall in den festen Kern deutscher Untergrund-Labels, wenn nicht sogar in die oberste Klasse. Scheibe kaufen, zurücklehnen und in schaurig-schöne Musiklandschaften entführen lassen. Die Aura liegt noch lange nicht in Trümmern!

Chris für Lady-Metal.com