Anomalie - Between the Light

Lady-Metal.com

Band: Anomalie

Album:
 Between the Light

Label:
 Art of Propaganda

Release Date:
 28.02.2014

Genre:
 Post Black Metal

Rezensent:
 Julian

Tracklist:

01. Blinded
02. Not Like Others
03. Tales of a Dead City
04. Oxymora
05. Recall to Life
06. Hurt (Nine Inch Nails Cover)

Lineup:
Marrok - Everything

Guest Musicians:
M.S. (Bifröst, Harakiri for the Sky)
J.J. (Karg, Harakiri for the Sky)
Lukas (Ellende)

Danke an Sure Shot Worx für das Bereitstellen des Albums!

Beurteilung

Post Black Metal ist eine Welt der Soloprojekte und schrägen Pseudonyme, aber auch der atmosphärischen Klänge und versteckten musikalischen Perlen. "Marrok" nennt sich der Musiker, "Anomalie" das Projekt und "Between the Light" die Scheibe. Dabei nimmt Marrok die komplette Instrumentalisierung sowie die Vocals selbst in die Hand, lediglich in einigen Vocal-Parts und Soli lässt er sich von Kollegen und Gastmusikern unterstützen, so unter anderem von  Matthias Spaulding, der Bandprojekte sammelt wie andere Leute Briefmarken und der als Erfolgsgarant gilt für alles was er anpackt. Bei zwei Jahren Entwicklungszeit und so viel "szeneprominenter" Unterstützung (von Harakiri for the Sky, Bifröst, Ellende, Karg) lässt das Debüt "Between the Light" Großes erwarten. Na dann mal ran an den Speck.

Veröffentlicht über das kleine Indielabel "Art of Propaganda" kommt hier eine klassische, aber atmosphärische Post Black Metal Scheibe daher. Gleich das Solo im ersten Song "Blinded" macht uns ganz unverhohlen klar dass hier keine Anfänger im Studio stehen, sondern erfahrene Soundmaschinen. Track Nr. 2, "Not like Others" spricht schon vom Titel her für sich und beginnt mit einer entfernten Polizeisirene , überspielt mit Snippets von Nachrichtensprechern die von einem (auf einer wahren Begebenheit beruhenden) Amoklauf in Kalifornien berichten. Dann kommt der Knüppel und feinster PBM kriecht durch meine Boxen ans Tageslicht. Inhaltlich beschreibt der Text die depressive Gedankenwelt des Amokläufers. Deeper gehts kaum, die Umsetzung ist brilliant und zeigt dem Hörer die Zerbrechlichkeit der eigenen Seele auf. "Tales of a Dead City" schließt quasi direkt an und geht noch einen Schritt tiefer in die Depression, wird dabei aber klar melodischer und einen Hauch flotter. "Oxymora" schaltet wieder einen oder zwei Gänge runter und drosselt das Tempo, die Riffs sind hart und kalt, das Drumming schleppend, fast pochend mit teilweise cleanen, stark hallenden Gitarren. SO und NICHT anders geht depressiver Black Metal! Wenn man denkt das Tempo geht nicht mehr runter und es wird nicht mehr depressiver, schiebt Marrok noch "Recall to Life" hinterher. Die obligatorische, aber unglaublich gut gelungene Ballade des Albums mit fast Doom-Metal-artigen Guest Vocals von Lukas (Ellende).Zum Schluss kommt noch völlig genreuntypisch ein Cover des Nine Inch Nails Klassikers "Hurt", dabei steht die Anomalie-Version dem Original und der Johnny Cash-Version in Nichts nach. Gerade der letzte Song verlässt etwas die Post Black Metal Schiene und ist somit eine Art Auflockerungsübung, um wieder langsam aus dem tiefschwarzen Reich der Scheibe aufzuwachen und das Gehörte erst mal zu verarbeiten.

Fazit:
Ein Hammer Brett. Wie zu erwarten passt hier einfach alles. Die Songs sind wohl durchdacht, die Umsetzung wird von Marrok und Kumpanen gnadenlos perfekt festgehalten. Das Mixing und Recording sind vorbildlich und die Anordnung der Songs gibt, wenn man mit der Scheibe durch ist, richtig Sinn. Alles in Allem ein Anwärter auf die Scheibe des Jahres.

Julian für Lady-Metal.com