Arkona - Yav

Arkona

Band: Arkona

Album: Yav

Label: Napalm Records

Release Date: 25.04.2014

Genre: Pagan Metal / Folk Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Zarozhdenie
02. Na strazhe novyh let
03. Serbia
04. Zov pustyh dereven'
05. Gorod snov
06. Ved'ma
07. Chado indigo
08. Jav'
09. V ob'jat'jah kramoly

Lineup:
Masha Scream - Vocals
Sergei Lazar - Guitars
Ruslan Kniaz - Bass
Vlad Artist - Drums
Vladimir Volk - Ethnic Instruments

Besten Dank an Napalm Records zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

ARKONA sind im schwarzmetallischen Genrebereich inzwischen wohl der bekannteste Exportschlager Russlands und gehören weltweit sicherlich zu jeder gut geführten Pagan-Playlist selbstredend dazu. Da mir das neue Album "Yav" nun mit etwas Verzögerung vorliegt, kam ich nicht daran vorbei, bereits andere Kritiken und Meinungen zu lesen. Normalerweise versuche ich diesen Umstand zu vermeiden, bis meine eigene Rezension online ist. Diesmal war die Spannung allerdings einfach zu groß (ja, auch Metaller feiern mal Weihnachten oder den Release einer schönen CD). Es ist mir somit durchaus bekannt, dass dieses Werk äußerst zwiegespalten aufgenommen wurde und im Ganzen ein wesentlich schlechteres Medienecho erhalten hat als seine Vorgänger. Ich persönlich kann diese Stimmung nicht wirklich nachvollziehen und möchte euch gerne von einem anderen Standpunkt überzeugen.

Wie bereits erwähnt habe ich schon sehnsüchtig auf "Yav" gewartet und wurde mit dem darauf enthaltenen Material in keinster Weise enttäuscht. Genaugenommen war sogar das Gegenteil der Fall: Ich wurde positiv überrascht! Im Vergleich zu einigen Genrekollegen, deren Namen ich sicherlich nicht zu nennen brauche, haben sich ARKONA nämlich offensichtlich vorgenommen, nicht noch ein weiteres Humpa-Album aufzunehmen, welches in der Masse feuchtfröhlicher Pagan-Releases vermutlich untergegangen wäre wie ein Wackerstein im großes Teich ("Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und..." naja, ihr wisst schon^^). Diese Entwicklung bahnte sich bereits 2011 mit "Slovo" an, welches allerdings noch die extrem partytaugliche Nummer "Stenka na Stenku" enthielt. Nun hat die Metamorphose ihr Endstadium erreicht und geschlüpft ist ein Wesen, welches kaum noch mit seiner ursprünglichen Form vergleichbar ist.

Zugegeben, alle Songs klingen noch eindeutig nach der Band, die man kennen und lieben gelernt hat. Ich möchte also nicht übertreiben. Doch die eingängige Leichtfüßigkeit der bisherigen Schaffensphase ist zugunsten neuer Trademarks geopfert worden. Die neuen Songs zeichnen sich durch eine mystisch-düstere Grundstimmung, Abwechslungsreichtum sowie komplexe Songstrukturen aus. Kaum ein Track begnügt sich mit einer schlichten Aneinanderreihung von Strophen und dem gut mitsingbaren Refrain. Stattdessen enthalten die Songs meist mehrere gänzlich verschiedene Passagen, die sich aneinanderreihen und dem Album eine ganz spezielle Eigendynamik verleihen. Sicherlich taugt diese Scheibe nicht wirklich dazu, den Anheizer auf der nächsten Party zu spielen. Für Freunde nachdenklicher oder verträumter Kost ist hier mit ca. 70 Minuten Musik allerdings einiges geboten.

Wie bereits auf den vergangenen Releases hat sich Masha für die Aufnahmen des Albums populäre Unterstützung eingeladen. So hört man unter anderem Thomas Väänänen von THYRFING oder Instrumentalisten von TURISAS und SVIATOGOR. Sicherlich profitiert die Vielschichtigkeit des Albums auch durch diese werten Herrschaften. Insgesamt streift das Album hierdurch nicht nur den Paganmetal, sondern auch andere Musikrichtungen wie Folkrock oder meiner persönlichen Ansicht nach auch Popmusik (einzelne Stücke trauen sich diesmal, mit ruhigen Melodien und Synthesizerklängen zu arbeiten). Vermutlich führte gerade dieser neue Stilmix bei einigen Fans zu enttäuschten Erwartungen. Ich kann jedem aufgeschlossenen Hörer allerdings nur raten, dem guten Stück eine Chance zu geben. Es ist nicht wie erwartet. Es ist auch nicht austauschbar oder mit kürzlich erschienenen Veröffentlichungen ähnlicher Künstler zu vergleichen. Es hat einfach Charakter.

Fazit: ARKONA gehen den mit "Slovo" eingeschlagenen Pfad noch weiter in den dunklen und verwurzelten Wald hinein. Und eben dieses mystische Gefühl, allein inmitten einer Lichtung voller unsichtbarer Gestalten und Kräfte zu stehen, haben die fünf Musiker auf diesem Album eingefangen. Ich empfehle allen Fans dieser Musikrichtung und auch Freunden sonstiger progressiver Spielarten ein Probehören. Ich bin überzeugt, dass sich neben mir auch eine Menge anderer Menschen überrascht zeigen werden.

Hardy für Lady-Metal.com