Atlantean Kodex - The White Goddess

Atlantean Kodex

Band: Atlantean Kodex

Album: The White Goddess

Release Date: 04.10.2013

Label: Cruz del Sur Music

Genre: Epic Metal

Rezensent: Havoc

Tracklist:
1. Trumpets of Doggerland
2. Sol Invictus
3. Bilwis
4. Heresiarch
5. Twelve Stars and an Azure Gown
6. Der Untergang der Stadt Passau
7. Enthroned in Clouds and Fire
8. White Goddess unveiled

Lineup:
Markus Becker - Vocals
Michael Koch - Lead Guitar
Florian Kreuzer - Bass
Manuel Trummer - Guitar
Mario Weiß - Drums

Besten Dank an Shure Shot Worx für die Bereitstellung des Albums.

Beurteilung

Die 2005 gegründete Band aus Vilseck kann auf acht beeindruckende Jahre zurückblicken. Ein eindrucksvolles Demo, bei dem sich der legendäre „Ross the Boss“ mit einem Solo verewigt hat, diverse Split LPs, eine Live-LP in zweistelliger Limitierung, ein weiterer Live-Mitschnitt als MC und ihr Erstlingswerk „The Golden Bough“. Doch trotz der Schnelllebigkeit im Musikbusiness trotzen die fünf Oberpfälzer vehement allen progressiven Einflüssen von Aussen, bleiben ihrer Linie treu und veröffentlichen bereits ihr zweites Album beim italienischen Label „Cruz del Sur“. Allen Liebhabern von traditionelleren Stilrichtungen des Metal dürfte das Label bereits ein Begriff sein, für alle Anderen lohnt sich ein Blick auf die Homepage allemal.

Das für Atlantean Kodex obligatorisch in Eigenregie produzierte Album glänzt durch den fabelhaft klaren Gesang von Markus Becker, welcher für viele Gänsehautmomente auf dem Album garantiert, dem klasse Drumming von Mario Weiß und dem wummernden Bass von Florian Kreuzer. Nicht zu vergessen ist das grandiose Gitarrenduo mit Michael Koch an der Leadgitarre und Hauptsongwriter und Bandsprachrohr Manuel Trummer an der Rhythmusgitarre. 

Thematisch beschäftigt sich „The White Goddess – A grammar of poetic myth“ mit Europa. 

Beginnend mit dem Intro „Trumpets of Doggerland“ entfaltet sich bereits eine epische Grundstimmung, welche im darauf folgenden knapp 11-minütigen Song „Sol Invictus“ weitergeführt wird. Dank des eingängigen Refrains, der einmaligen Songstruktur, der hervorragenden Soli, der mehrspurigen Vocals und des grandiosen Einsatz der Stimme von Markus Becker erreicht das Album bereits mit dem ersten richtigen Song einen wahrhaftigen Höhepunkt.

Das folgende instrumentale Zwischenspiel „Bilwis“ sorgt für den (musik-) thematischen Wechsel in eine folkloristisch düstere Grundstimmung. „Heresiarch“ beginnt mit einem Brett an Gitarren, flaut ab und entlädt sich wieder in einem 11-minütigen epischen Doomepos, der an Facettenreichtum kaum zu überbieten ist. Nach dem ruhigen Ausfaden des vorherigen Songs, beginnt „Twelve Stars and an Azure Gown“ mit einem Sample einer Churchill-Rede, welche im gesamten Song immer wieder aufgenommen und weitergeführt wird. Der Song nimmt mit einer freundlicheren, gar hoffnungsvollen Grundstimmung die Fahrt auf und sorgt durch die gesangliche Meisterleistung Beckers durchgängig für Gänsehautmomente.

So hoffnungsvoll die Stimmung nach diesem Song auch war, „Der Untergang der Stadt Passau“ untermalt das instrumentale Zwischenspiel zum nächsten Song mit zunehmender Düsternis.

„Enthroned in Clouds and Fire“ ist die akustische Untermalung zum Weltuntergang. Beginnend mit dem Einläuten der Apokalypse, den (natur-)gewaltigen Geschehnissen und dem Abklingen wird ein gewaltiger, vor Epik nur so strotzender Song zum Besten gegeben und endet nach 9 Minuten mit der Verlautbarung der Prophezeiung des Mühlhiasl. Mit „The White Goddess Unveiled“ wird sich wieder in klassischere Fahrwasser begeben und die Stimmung von „Sol Invictus“ wieder aufgenommen. So schließt sich nach einem melancholischen Klavier-Outro auch der musikalische Kreis auf dem Album.

Fazit:
Ich verfolge die Band bereits seit dem Jahr 2008 und war natürlich sehr gespannt auf das neue Album. Der Vorgänger hatte das Genre bereits neu definiert und die Messlatte lag dementsprechend hoch. Doch auch diesmal erreichten die Herren aus Vilseck eine neue Ebene des epischen (Doom-) Metal und schafften es, mich erneut zu faszinieren. Alle Songs sind durchwegs ein Meisterwerk für sich, und erzählen eine facettenreiche Geschichte auf vielen Ebenen. Besonders hervorheben möchte ich trotzdem „Twelve Stars and an Azure Gown“, welches eine unbeschreibliche Stimmung in mir hervorruft wie es sonst nur andere, ganz große Songs schaffen. 

Ich kann jeden ans Herz legen, sich die Zeit zu nehmen dieses Meisterwerk zu genießen und abzufeiern. Mein absoluter Favorit auf das Album des Jahres.

Havoc für Lady-Metal.com