Bionic Angel - Digital Violence

Bionic Angel

Band: Bionic Angel

Album:
Digital Violence

Label: Schwarzdorn Productions

Release Date: 25.07.2008

Genre: Gothic Rock

Rezensent: Tanja

Tracklist:
1. Ancient Halls (Fornir Salir)
2. Ragnarök Army from the East (Austursins Heimsenda Her)
3. Fall of the Ages (Fall Aldanna)
4. Equilibrium Reclaimed (Jafnvægi Endurheimt)
5. New Dawn (Ný Dögun)
6. Heltekinn (Heltekinn)
7. The Future (Framtíð)

Lineup:
The First Born Son - Bass
The Juggernaut - Gesang
The Hammer - Gesang
The Juggernaut – Gitarre
The Torso - Gitarre
The Hammer - Keys
The Thorn Prince - Schlagzeug
The Angry Princess - Body Art
The Thorn Prince - Sampling

Vielen Dank an Schwarzdorn Productions für das zur Verfügung stellen des Albums.

Beurteilung

Das Leben spielt einem manchmal seltsam mit. Vor fast genau drei Jahren hielt ich diese Scheibe schon einmal in den Händen um mein Urteil über sie zu fällen. Nach einigen sehr bedeutenden Eckpfeilern in meinem Leben und der Aufgabe des eigenen Magazins, habe ich eine neue Herausforderung bei Lady-metal.com gefunden. Und was soll ich sagen, die erste Scheibe die mir zur Bewertung vorliegt ist wieder BIONIC ANGEL mit „Digital Violence“. Da sich meine Meinung nicht geändert hat und auch das Album selbstverständlich das Gleiche geblieben ist, stelle ich hier noch einmal meine geistigen Ergüsse zur Verfügung.

Was haben die NDW-Ikone Nena, die schwedischen Deathstars und Shockrocker Marilyn Manson gemeinsam? Nein, nicht das zumeist schräge, viel zu heftig aufgetragene Make Up, sondern die Tatsache das sie in mehr oder weniger starker Form auf dem Debüt-Album „Digital Violence“ der skandalträchtigen Band BIONIC ANGEL vertreten sind. Immer wieder blitzen ihre musikalischen Kreationen durch den bionischen Kosmos und bereichern diesen damit ein ums andere Mal.

Live ist es immer wieder ein Hochgenuss die durchdachten und vor allem bis ins letzte inszenierten Bühnen-Eklat der Band beizuwohnen und nun kann man sich diese vollreife Klangesvielfalt auch genüsslich zu Hause reinziehen. Mal gespannt, ob die gotisch-groovige Atmosphäre der Bühne auch bei mir zu Hause um sich greift.

Sänger The Juggernaut ziert nicht nur engelsgleich das stimmungsvolle Cover, sondern nimmt auf „Digital Violence“ auch eine sehr beachtliche Rolle ein, denn er zeigt sich gemeinsam mit Tastenheimer The Hammer mehr als wandlungsfähig. Mal gollt und grunzt er bedrohlich zu den elektronischen Beats, denn wieder dringt ein verhängnisvolles Flüstern in mein Ohr, bevor der klare Gesang mich wohllautend umschmeichelt. Also gesanglich wird dieses Debüt mit Sicherheit nicht langweilig werden.
Elektronisch klirrend, mit ein bißchen an die unheilvollen Einspielungen aus „Das Geisterhaus“ mit Eddy Murphy erinnernden Syths beginnt Chapter I mit „Living A Lie“. Stellenweise zweistimmiger Gesang, robust-metallische Gitarrenläufe und ganz viele elektronische Spielereien veredeln diesen Song. Andächtig ruhig beginnt „End Of Days“ bevor ein Rammsteinähnlicher Groove die Führung von „End Of Days“ an sich reißt und dann ein fast schon poppiger Chorus die Oberhand gewinnt. Zum Ende hin gibt es nochmals ein sehr verspieltes, intensives und vor allem elektronisches Zwischenspiel zu hören. Abwechslung pur!
„Du Mein Gott“ wird eher gesprochen als gesungen und wartet erstmals mit deutschem Text auf. Nicht ganz so mein Fall, aber bekanntlich ist ja alles Geschmackssache. Deathmetallische Growls, fetzig-schräge Soli, genial-mitreißender Klargesang und viel versteckte Innovationen bestimmen das Bild von „Stars & Dust“, bevor sich bei „Burn Down The Witches“ irgendwie Marilyn Manson mit einer Melodic Death Metal-Band vereinigt.
Kurzer Horrorfilmsample und tiefer, fetter Groove eben den Weg für „Du (nur Du)“, dem zweiten und zugleich letzten deutschen Titel dieses Düsterwerkes. GothRock erster Güteklasse mit einem Spritzer Pop, vielen elektronischen, teilweise obskuren Beats und einer unverwechselbaren Rezitierstimme. Ein Song der mit Sicherheit auf jedem Konzert lautstark und voller Inbrunst mitgesungen und gelebt wird.

Nun ist es also an der Zeit, NDW-Sternchen Nena Platz zu machen, denn die Melodie von „Live To Die“ klingt schon extrem nach „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann“. Vielmehr muss ich zum dem Stück eigentlich auch gar nicht sagen, denn ich denke jeder wird diesen Song bereits einmal gehört haben – wenn nicht von Nena dann wohl spätestens in der moderneren Form von Jan Delay. Richtig flott und mit ordentlich Schmackes dreht man sich um 180° und wendet sich wieder ein wenig dem Schockrocker Manson zu um dem düsteren „Live To Die“ die nötige Würze zu verleihen. Gesanglich schielt The Juggernaut ab und an Richtung Whiplasher Bernadotte, um dann wieder bedrohlich-aggressiv zu grollen oder den enthusiasmierenden Klar-Refrain zu intonieren. Stotternd und schwer wird in den „Transit To Hell“ gestiegen, um dann im ähnlichen Stil mit „Pink“, welches mit sehr weiblichem Gesang aufwatet, das Ende der ersten Runde einzuläuten!

Chapter II beginnt mit „Bitch Like You“ welches mich irgendwie an das australische Pop-Wunder Kylie Minouge erinnert und wieder ein Wechselspiel aus poppigen Melodieläufen und Düsterock verkörpert. Fast schon pure Elektronik, wabbernd und eigensinnig bestimmt die Klangwelt von „Killing Myself Today“ und „Clone Your Soul“. „Revolution X“ bietet dann einen krönenden Abschluss dieses Schaffens!

Also in meinen Ohren sind BIONIC ANGEL mit ihrem sehr eigensinnigen, abwechslungsreichen und entdeckungsreichen Bionic Rock durchwegs auf hohem Niveau unterwegs. Leider lehnt man sich ab und an zu stark an Größen des Musikgeschäftes an, was sie doch so den einen oder anderen halben Punkt kostet! Ansonsten darf jeder Fan des Gotischen, jeder Industrielle und jeder, der gerne auf eine musikalische Entdeckungsreise geht hier zugreifen!

Tanja für Lady-Metal.com