Candlemass - Psalms for the Dead

Candlemass

Band: Candlemass

Album: Psalms for the Dead

Label: Napalm Records

Release Date: 08.06.2012

Genre: Doom Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Prophet
02. The Sound Of Dying Demons
03. Dancing In The Temple (Of The Mad Queen Bee)
04. Waterwitch
05. The Lights Of Thebe
06. Psalms For The Dead
07. The Killing Of The Sun
08. Siren Song
09. Black As Time

Lineup:
Robert Lowe - Vocals
Leif Edling - Bass
Mats Björkman - Guitars
Lars Johansson - Guitars
Jan Lindh - Drums

Besten Dank an Napalm Records zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Erst in der kürzeren Vergangenheit haben sich die Doommetal-Meister von CATHEDRAL dazu entschieden, ihr musikalisches Schaffen zu beenden. Nun lassen auch ihre Mitstreiter CANDLEMASS verlauten, dass es sich bei "Psalms for the Dead" um ihren letzten Studio-Output handeln soll. Zwar wird man das dreißigjährige Bandjubiläum live noch erleben dürfen, jedoch handelt es sich bei den Liedern auf dem neuen Album um die finalen Kompositionen der Düsterrocker.

Es ist immer spannend, einem solchen Großwerk entgegenzufiebern. Entsprechend groß sind meist Euphorie oder Ernüchterung der Fans, sobald sich die Veröffentlichung mit den geschürten Erwartungen messen muss.
CANDLEMASS lassen es deshalb gar nicht erst darauf ankommen und schicken mit dem Opener "Prophet" gleich einen Giganten in die Arena. Schon während der ersten Minuten des Albums wechselt sich der gewohnt stampfige Doom mit erstaunlich schnellen Heavymetal-Passagen ab, die mich stark an die Genrekollegen von GRAND MAGUS erinnern. Ganz allgemein scheinen Lowe und CoKG diese Art von Wechsel innerhalb der Songs für sich entdeckt zu haben. Auch bei den folgenden Titeln "The Sound of dying Demons" und "Dancing in the Temple" wird ähnlich vorgegangen.

Wie man es von der Band gewohnt ist, überzeugt die Gitarrenarbeit in allen Songs auf voller Linie. Leider machen sich gerade durch die starke Arbeit an den Mehrseitern auch manche Schwachpunkte der Platte bemerkbar. Zum einen haben sich CANDLEMASS von ihrer einstigen Unberechenbarkeit verabschiedet und verlassen sich auf ihrem letzten Langspieler vermehrt auf bewährte Strukturen. So befällt den Hörer schon bald das Gefühl, dass jedes letzte Song-Drittel mit einem Gitarrensolo eingeleitet wird. An sich ist dieser Aufbau überhaupt nicht verkehrt, nur hätte ich mir in diesem Bereich ein wenig mehr Abwechslung gewünscht.

Des Weiteren erscheint der Schlagzeug-Sound, gerade im Kontrast zu den anderen Instrumenten, erstaunlich unbeeindruckend. Eigentlich ist man als verwöhnter Fan von den Vorgängeralben wesentlich mehr gewohnt.
Dafür durften sich, neben dem Gitarristen, auch der Bassist (Black As Time) und der Keyboarder (Siren Song) der Truppe austoben bis zum Exzess. Was während den Instrumental-Einlagen geboten wird ist wirklich höchstes Niveau und bewegt sich auf einer Ebene mit alten Gassenhauern wie "Born in a Tank".

Lyrisch erinnert mich dieses Werk sogar noch stärker als seine Vorgänger an BLACK SABBATH und DIO. Nicht nur bei den Titeln "Waterwitch" und "The Lights of Thebe" breitet sich eine düstere Stimmung aus, wie ein düsterer Nebel im Zwielicht. Hier bleibt dem Hörer nichts anderes übrig als die Augen zu schließen und seine Gänsehaut zu genießen. Wer weiß schon, wann es wieder vorkommt, dass eine Platte solche Gefühle heraufbeschwört? Und selbst die hartgesottensten Männer dürften sich vor Coolness in einen Schneemann verwandeln wenn kurz vor Schluss erklärt wird, dass die Zeit keine Wunden heilen kann, da sie niemals etwas vergisst. Womöglich handelt es sich bei dieser Weisheit um eine Warnung vor dem, was der Name CANDLEMASS selbst noch nach seinem Schaffen anzurichten gedenkt.

Fazit: "Psalms for the Dead" ist wiedermal eine Sammlung starker Doommetal-Songs, die für alle Fans Momente zur Freude bereit halten dürfte. Allerdings hätte ich von dem großen Abschluss-Epos einer so berüchtigten Truppe noch ein bisschen mehr erwartet. Beispielsweise fehlen mir die fetten Schlagzeug-Einlagen oder die komplexen Strukturen älterer Outputs.
Nichts desto trotz kann die Scheibe ohne Zweifel problemlos mit den letzten Veröffentlichungen der Truppe gleichziehen. Ich habe auch keinerlei Zweifel daran, dass Songs wie "Prophet" oder "Siren Song" Doom-Geschichte schreiben werden. Alle, die mit dem Stil der letztjährtigen Werke schon auf Kriegsfuß standen, werden sicherlich auch mit "Psalms for the Dead" ihre Probleme haben, wer "Death Magic Doom" oder "King of the grey Islands" hingegen schon zu seinen persönlichen Highlights zählte, kommt auch an dem Abschlusswerk der Metalgötter nicht vorbei.

Hardy für Lady-Metal.com