Control Human Delete - The Prime Mover

Control Human Delete

Band: Control Human Delete

Album: The Prime Mover

Label: Code 666

Release Date:
  06.05.2013

Genre:  Industrial Metal / Post Black Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:

01. New Replicators
02. Transporter
03. Continuous Data, part 1
04. Continuous Data, part 2
05. Shapeshiftinh
06. Earth-Like Behavior
07. Recurrence

Lineup:
Christiaan Hofs - Guitars
Daniel Bakker – Bass / Keys
Ton Oortgiesen - Keys
Rien Oortgiesen - Vocals

Besten Dank an Aural Music zur Verfüungstellung des Albums

Beurteilung

CONTROL HUMAN DELETE musizieren laut Pressetext bereits seit über zehn Jahren und veröffentlichten neben Demo-Material scheinbar bereits einen professionell produzierten Langspieler. Mir selbst ist über die Band allerdings bis heute kein Wort zu Ohren gekommen. Die Stilbezeichnung „Post Industrial Black Metal“ weckt allerdings schon mein Interesse, bevor der erste Track überhaupt angelaufen ist. Ob dieses Genre einfach durch buntes Begrifferaten in einer legasthenischen ADHS-Betreuungsgruppe Zustande gekommen ist, oder ob er wirklich den Inhalt der Kompositionen wiederspiegelt, wollen wir euch natürlich keinesfalls vorenthalten.

Es ist schwierig einen Punkt zu finden, an dem sich mit einer Beschreibung der Musik sinnvoll ansetzen lässt. Deshalb versuche ich zunächsteinmal auf die Leistung der Intsrumente einzugehen. So macht sich beispielsweise schon während des Openers bemerkbar, dass hier kein Drummer in seine Felle schlägt, sondern der Beat durch einen Computer ersetzt wurde. Hiergegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, schließlich griffen in der Vergangenheit auch Bands wie SAMAEL, SAMSAS TRAUM oder sogar NEVERMORE auf Programming zurück. Bei CONTROL HUMAN DELETE wird im Gegensatz zu den genannten Bands allerdings nicht versucht, das Schlagzeug originalgetreu nachzuahmen. Stattdessen ist ganz klar und deutlich hörbar, dass der Sound aus der (Steck-)Dose stammt, wodurch eine sterile Sciencefiction-Atmosphäre entsteht.

Die Gitarrenarbeit ist von harten Breaks, häufigen Riffwechseln und weitestgehend recht monoton klingenden Passagen geprägt. Im Bereich der Vocals wechseln sich tiefer Sprechgesang mit typischen Blackmetal-Screams und Männerchören ab. Teilweise werden sowohl Gitarren als auch Stimmen so stark verzerrt, dass man sich wie in einen achtziger Jahre Flipper eingesperrt fühlt. Mechanisch klingende Samples ergänzen die einzelnen Teile letztendlich zu ihrem großen Ganzen. Gerade im Bereich der eingespielten Technikgeräusche fühle ich mich immer wieder an FEAR FACTORY oder REAKTOR erinnert.

Durch die verschiedenen Elemente entsteht eine düstere und doch bizarr wahnwitzige Grundstimmung, die ohne weiteres als Soundtrack zu den Filmen „The Thing“ oder „Moon“ hätte dienen können. Es ist beinahe unmöglich dieses Album mit anderen Bands oder Stilen über einen Kamm zu scheren. Lediglich der Cyber-Metal von BLACKLODGE könnte als Vergleich dienen, wobei ich auch in diesem Fall nur weitläufige Parallelen erkennen kann. Dem Hörer geht es somit wie bei einer Tüte Jelly Beans – er hat keine Ahnung, was da eigentlich auf ihn zukommt!

Fazit: „The Prime Mover“ kann durch den besonderen Stilmix eigentlich jedem gefallen, muss allerdings auch nicht zwangsläufig irgendjemandes Geschmack treffen. Diese Aussage ist zwar sicherlich nicht sonderlich hilfreich, soll aber darauf hinweisen, dass CONTROL HUMAN DELETE eine ganz neue Schublade im Blackmetal-Bereich öffnen. Deshalb würde ich dieses Album in erster Linie experimentierfreudigen Hörern empfehlen und konservativeren Szenegegnern eher von einem Kauf abraten. Wer ohnehin Spaß daran hat, auf bestehende Konventionen im wahrsten Sinne des Wortes zu sch*****, darf sich somit gern ein Bier öffnen und dem wirren Sound dieser Electropunks lauschen.

Hardy für Lady-Metal.com