Coppelius - Extrablatt

Coppelius

Band: Coppelius

Album: Extrablatt

Label: FAME Recordings / Sony Music Entertainment

Release Date: 15.02.2013

Genre: Folk Rock

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Spieldose
02. Welt im Wahn
03. Reichtum
04. Bitten Danken Petitieren
05. Locked Out
06. Butterblume
07. Keine Kamera
08. I'd Change Everything
09. Glanz und Eleganz
10. Glaubtet Ihr?
11. Mitten ins Herz
12. Running Free
13. Geschwind
14. Maria

Lineup:
Le Comte Caspar - Vocals / Clarinet
Max Coppella - Vocals / Clarinet
Graf Lindorf - Vocals / Cello
Sissy Voss - Bass
Nobusama - Drums
Butler Bastille - Triangle

Danke an Netinfect Multimedia für das zur Verfügung stellen des Albums

Beurteilung

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“ (Lk 23 34). Aber woher soll der Chaostrupp unserer deutschen Folkrockszene auch wissen, wie der Hase heutzutage läuft? Auch bei Unsterblichen lässt das Gedächtnis scheinbar im Alter nach. Statt öffentlich zugänglichem Morphium müssen sich der wehrten Herren nun mit Absinth über den Trist des Alltags hinwegtrösten. Das dieser verquere Kult um COPPELIUS und ihre Musik begeistert, zeigte bereits die Zweitplatzierung im Berliner Emergenza-Wettbewerb. Nachdem bekanntermaßen alle guten Dinge vier sind, haben die Barockfetischisten diesesmal sogar besonders große Erwartungen zu erfüllen.

Schon die ersten Songs lassen den alteingesessenen Fan erleichtert aufatmen. Sofort wird klar, dass der an alte INCHTABOKATABLES angelehnte Stil auch auf dem neuen Output beibehalten wurde. Doch handelt es sich bei der Musik deshalb nur um einen Aufguss der letzten Scheiben? Keinesfalls! Songs wie der Opener „Spieldose“, „Welt im Wahn“ oder „I'd change Everything“ schlagen einen ungewohnt rockigen Kurs ein. Im Gegensatz zu anderen Veröffentlichungen der Medieval-Industrie halte ich den Begriff „Folkpunk“ in diesem Fall für durchaus zutreffend. Höhepunkt dieser Entwicklung stellt meiner Ansicht nach das IRON MAIDEN Cover „Running free“ dar.

Insgesamt stellt sich „Extrablatt“ allerdings als ein vielseitiges und abwechslungsreiches Werk heraus. Auch wenn der Aufmacher in rockigem Gewandt daher kommt, gestaltet sich der Sportteil angenehm ruhig und die Kleinanzeigen glänzen durch ihren sarkastischen Humor. Gerade die spaßigen Texte schaffen es mich für dieses Album zu begeistern. Phrasen wie „Geschwind wie der Wind, trinkt das Kind den Absinth“ zwingen mir ein Grinsen ins Gesicht, welches mir über die gesamte Spielzeit hinweg erhalten bleibt.

Die altbackenen Instrumente wie Cello, Klarinette und Triangel werden so selbstverständlich eingesetzt, dass die fehlende Gitarre kaum auffällt. Einzig bei der Interpretation von SUBWAY TO SALLYs „Maria“ hätte ich mir etwas mehr Innovation gewünscht. COPPELIUS haben einfach schon zu häufig bewiesen, welche Kreativität in ihren Köpfen steckt, als dass sie einen Kulthit einfach nur simpel nachspielen könnten.

Fazit: COPPELIUS empfangen ihre Hörer mit dem neuen Album „Extrablatt“ wie es sich für wahre Gentlements gebührt. Zuerst wird man von dem hauseigenen Butler in den Salon geführt, damit man die entkleideten Füße auf einem Ottomanen ausruhen und den frisch komponierten Klängen lauschen kann. Sind wir mal ehrlich, wer kann sich einer solchen Gastfreundschaft schon entziehen? Ich rate dringend sich dieses leicht geisteskranke Machwerk zu Gemüte zu führen. Es wird sicherlich niemand bereuen.

Hardy für Lady-Metal.com