cynic - Kindly bent to free us

Cynic

Band: Cynic

Album: Kindly bent to free us

Label: Season of Mist

Release Date: 14.02.2014

Genre: Progressive Rock

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. True Hallucination Speak
02. The Lion’s Roar
03. Kindly Bent to Free Us
04. Infinite Shapes
05. Moon Heart Sun Head
06. Gitanjali
07. Holy Fallout
08. Endlessly Bountiful

Lineup:
Paul Masvidal – Vocals, Guitars, Keyboards
Sean Reinert – Drums
Sean Malone – Bass

Besten Dank an Season of Mist zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Wer zur Hölle hat mich gerade mit Überschallgeschwindigkeit durch den luftleeren Raum mitten in den Orbit geschossen? Und was machen bitteschön Mr Spock, Han Solo und ET hier direkt neben mir? Diese und ähnliche Frage musste man sich jeher stellen, wenn ein neues Album von CYNIC in der Stereoanlage rotierte. Nun steht bereits seit einigen Tagen das neue Machwerk "Kindly bent to free us" in den Läden und das Philosophieren beginnt erneut.

Die erstem beiden Alben "Focus" und "Traced in Air" wurden laut Band stark durch den nicht minder legendären Chuck Schuldiner inspiriert und stellen eine Art Urknall des progressiven Deathmetals dar. Auf der vor drei Jahren erschienenen EP "Carbon-based Anatomy" wurde das Ruder allerdings in eine spürbar andere Richtung gelenkt. Die jazzigen Elemente nahmen im Vergleich zu den Anfänge noch deutlich zu und die Growls wurden 20000 Meilen unter dem Meeresspiegel versenkt. Zudem bekamen die Kompositionen durch den Keyboareinsatz starke Industrial-Elemente hinzugefügt. Dieser beschriebene Kurs wird 2014 nicht nur beibehalten, sondern sogar noch weiter ausgebaut.

Stimmlich wird durchgehend auf cleane Vocals gesetzt, die stellenweise schon beinahe in den Sprechgesang übergehen. Die elektrischen Daumenschrauben verleihen Paul Masvidal hierbei eine ebenso verzerrte wie hohe Stimme, welche durch die verwendeten Halleffekte schon beinahe klingt, als hätte sich der werte Herr beim Einspielen in einer Kathedrale aufgehalten. Sicherlich besitzt das Resultat eine ganz eigene Ästhetik, ich persönlich fühle mich durch Gesang und Abmischung aber leider manchmal zu sehr an Alfred Jodokus Kwak erinnert (Vielleicht wäre "Warum bin ich so fröhlich" mal ein interessanter Vorschlag für eine Coverversion?).

Musikalisch wird sich hingegen gewohnt weit aus dem Fenster gelehnt. Die ruhigeren Parts können die Metalmusik zwar nichtmehr in gewohnter Manier unterbrechen, da die Songs auf aggressive Passagen komplett verzichten, der Musik kann ihre Qualität jedoch nur schwer abgesprochen werden. Komplexe Soli und verschachtelte Songstrukturen stehen im selben Maße für hochwertiges Songwriting wie auch für technisches Niveau an den Instrumenten. Insgesamt bleibt mit "Kindly bent to free us" somit ein Album zurück, welches allen Traumtänzern und Wellenreitern gewidmet ist. Wer gerne mit verschachtelter Rockmusik fernab sämtlicher Konventionen konfrontiert wird, kann bedenkenlos zugreifen. Gerade Fans der ersten Releases rate ich allerdings unbedingt dazu, diesen Silberling vor einem Kauf probezuhören. Eine blinde Anschaffung kann ich in diesem Fall nur äußerst begrenzt empfehlen. Lobenswert müssen zum Ende dieser Rezension allerdings noch die passende Covergestaltung und das glasklare Mastering erwähnt werden. In diesen beiden Bereichen gibt es meiner Ansicht nach nichts zu meckern - weder für alte Fans noch für CYNIC-Virgins!

Fazit: Dieser Output glänzt durch Instrumental, Produktion und Komplexität - Keine Frage. Die durchgehend ruhige Songgestaltung stößt mich jedoch trotz dieser Stärken vor den Kopf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Freunde der Vorgängeralben mit der Bandentwicklung d'accord gehen. Ich kann mich an dieser Stelle somit nicht wirklich für "Kindly bent to free us" verbürgen. Sicherlich schadet ein vorsichtiges probehören aber auch nicht. Unter anderem deshalb, weil die Musik durchaus auch ihren Charme besitzt und zumindest stellenweise zu fesseln vermag. Ich hoffe mit dieser Rezension niemanden zu sehr verunsichert zu haben. Falls doch, hilft nur ein Besuch auf der Website von Label und Band oder im heimischen Plattenladen. Vielleicht kann ja auf diesem Wege Licht ins Dunkel gebracht werden.

Hardy für Lady-Metal.com