Ellende - Lebensnehmer

Ellende

Band: Ellende

Album: Lebensnehmer

Label: Art of Propaganda

Release Date: 29.03.2019

Genre: Black Metal

Rezensent:
Hardy

Tracklist:
01. Intro
02. Augenblick
03. Die Wege
04. Ein Stück Verzweiflung
05. Der Blick wird leer
06. Liebkosung des Eiswinds
07. Du wärst eine schöne Leiche
08. Atemzug

Lineup:
Lukas Gosch – Vocals, All Instruments

Besten Dank an Sureshot Worx zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Kürzlich geriet ich in eine Diskussion darüber, welche Bands es bisher wohl geschafft hätten, sich mit jedem ihrer Langspieler zu verbessern und keinen zwischenzeitlichen (wenn nicht sogar andauernden) Rückschritt zu erleiden. Tatsächlich fielen uns zumindest keine Großkalieber der Metal- bzw. Rockmusik ein, denen wir dies wohlwollend unterstellen konnten. Seit ich nun an dieser Rezension zu dem aktuellen Album „Lebensnehmer“ von ELLENDE sitze, erwische ich mich bei einem Grinsen. Denn auch wenn es sich bei dem Österreicher und seiner Session-Mannschaft bisher eher um eine Band für Szeneliebhaber handelt, so lässt sich eine konstante Entwicklung kaum leugnen.

Doch worin besteht dieser Mehrwert, den „Lebensnehmer“ (zugegeben, bei dem Titel musste auch ich zunächst mit den Augen rollen) gegenüber seinen Vorgängern und anderen Vertretern der Blackmetal-Zunft besitzt? Was „Lebensnehmer“ auszeichnet, ist der Umstand, dass das Album nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Im Gegenteil – die Instrumentaleinlagen erinnern stark an KARG, während die besinnlichen Melodiebögen Ähnlichkeiten zu alten HERETOIR aufweisen. ELLENDE nimmt diese für den Post-Blackmetal typischen Elemente und würzt sie mit einer eigenen Note.

Doch was zeichnet dieses Album nun aus, wenn alles schonmal andernorts gehört wurde? ELLENDE gelingt es, die bekannten Puzzlestücke erst zu mischen und dann auf eine eigene Art und Weise wieder zusammenzusetzen. Und obwohl aus dem Stillleben am Ende ein Portrait geworden ist, sieht das Bild stimmig aus. Songs wie „Die Wege“ bringen dieses Vorgehen in meinen Augen auf den Punkt. Nach einer stampfenden Midtempo-Dampfwalze suggeriert ein akustisches Zwischenspiel eine vermeintliche Ruhe, bevor ein gitarrenlastiges Instrumental zum Ende des Stücks auch noch den letzten Grashalm dem Erdboden gleichmacht. So geht Metal!

Fazit: Lukas Gosch hat bereits mit seinen ersten beiden Solo-Scheiben bewiesen, dass er ein Händchen für gut komponierte Arrangements besitzt. „Lebensnehmer“ macht zwar nichts grundsätzlich anders als seine Vorgänger, hebt das Niveau aber nochmals deutlich an. Wer mit Bands wie AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN oder TODTGELICHTER etwas anfangen kann, darf auch hier gerne ein Ohr riskieren. Wer mit den ersten Langspielern (oder auch den beiden EPs) etwas anfangen konnte, darf selbstredend auch bedenkenlos zugreifen.

Hardy für Lady-Metal.com