Ewigheim - Nachruf

Ewigheim

Band: Ewigheim

Album: Nachruf

Label: Massacre Records

Release Date:
06.12.2014

Genre:
Gothic Metal

Rezensent:
Hardy

Tracklist:
01. Zwischen Menschen
02. Die Augen Zu
03. Am Meer
04. Heimweh
05. Ein Nachruf
06. Himmelfahrt
07. Falsches Herz
08. Liebes Lied
09. Glück Im Unglück
10. Wenn Es Am Schönsten Ist
11. Sanctum Imperium (Digipak Bonus Track)

Lineup:
Yantit – Guitars, Keys
Allen B. Konstanz – Vocals, Drums
Schwadorf – Guitars

Besten Dank an Massacre Records zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

„Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.“ Diese Worte stammen von Arthur Schopenhauer und zeigen unbeabsichtigt zumindest eine gewisse Hochachtung vor allem Ungeziefer, an dem sich selbst unser moderner Zeitgeist noch die Zähne ausbeißt. Das Allstarprojekt EWIGHEIM, bestehend aus Mitgliedern von EISREGEN, THE VISION BLEAK und EMPYRIUM, zeigte auf den vergangenen Releases ebenfalls einen gewissen Hang für Schädlinge. Seit kurzem steht nun der aktuelle Langspieler „Nachruf“ in den Läden. Wir haben für euch nachgeforscht, ob es sich bei diesem Opus wiedermal um einen Sechsbeiner oder doch eher einen dürren Mann handelt.

Das Plattencover ziert eine tote Maus (oder Ratte? Wo sind die Spezialisten wenn man sie braucht?), welche von Maden zerfressen wird. Rechts daneben, als sei er nur ein unbeteiligter Beobachter, ist ein kleiner Käfer zu sehen. Vielleicht wurde das Insekt einfach aus rein nostalgischen Gründen abgebildet. Diese Intention würde zumindest zu dem musikalischen Inhalt des Outputs passen. Die doomigen Einschläge der ersten Veröffentlichungen (Z.B. „Heimweg“) wurden deutlich zurückgeschraubt. Völlig verzichtet wurde auf die düstere Atmosphäre allerdings keinesfalls. Stattdessen ist die Endzeitstimmung der Anfangstage eine unheilige Symbiose mit den discoverdächtigen Melodien des letzten Albums eingegangen.

Insgesamt klingen alle Songs recht eigenständig, da sie auf jeweils eigene Ideen setzen. Trotzdem wirken die Kompositionen in sich stimmig. Womöglich geht dieses Konzept so gut auf, weil sich der morbide Witz wie ein roter Faden durch die Tracklist zieht. Bei dem Einfall, sich nach und nach in kleine Stücke zu zerschneiden, um auf diese Weise in Etappen beerdigt zu werden, konnte ich mir ein Lächeln beispielsweise nicht verkneifen. Reimschemata werden hierbei nur verwendet, wenn sie den Inhalt der Texte transportieren können, ohne in peinlichen Schüttelreinem zu enden.

Musikalisch reihen sich schnelle und elektronisch untermalte Gothrock-Songs (Die Augen zu, Falsches Herz, Glück im Unglück) an progressivere Stücke (Zwischen Menschen, Am Meer, Liebes Lied). Die Keyboard-Samples wurden bei der Abmischung weit aufgedreht, weshalb ich mich stellenweise an SAMSAS TRAUM, TERMINAL CHOICE oder die Titelmelodie zu Bibi Blocksberg erinnert fühle. Dieser Umstand passt allerdings gut zu dem irren Gefüge aus perfiden Texten und düsterem Instrumental. Alles im allem bleibt somit wenig Anlass zur Kritik. Die Band hat sich seit ihren Anfängen deutlich entwickelt und liefert mit „Nachruf“ nun den konsequent nächsten Schritt ihrer Karriere ab. Lediglich die Idee, „Blutkehle Roth“ während des Bonustracks die Stimme erheben zu lassen, wiederstrebt mir ein wenig. Schließlich hat es dieses Album eigentlich nicht nötig, explizit die Nähe zu EISREGEN hervorzuheben. Schade, auf dieses Gimmick hätte ich tatsächlich verzichten können.

Fazit:
Allein für Hits wie „Heimweh“ oder „Ein Nachruf“ lohnt sich die Anschaffung dieses Silberlings eigentlich schon. Doch auch unter den anderen Kompositionen findet sich kein wesentlicher Ausfall (abgesehen davon, dass der Bonustrack wirklich nicht meinen Geschmack trifft). Wer nicht unter Akorophobie leidet, kann bedenkenlos Tuchfühlung mit diesem unkonventionellen Werk aufnehmen.

Hardy für Lady-Metal.com