Exit Sun - Welten

Exit Sun

Band: Exit Sun

Album: Welten

Label: Self Released

Release Date: 11.02.2014

Genre: Jazz Metal

Rezensent:
Hardy

Tracklist:

01. Moribund
02. Dear Ocean
03. -
04. Illusion

Lineup:
Stefan Stegmaier – Vocals
Markus Neuwirth – Guitars, Bass, Vocals
Niklas Mathes - Guitars, Piano
Thomas Bieniek – Drums, Programming
Alexander Kropp - Saxophon

Besten Dank an Tobias Steinhilper zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Metalmusik ist seit jeher bekannt für ihre Offenheit gegenüber anderer Genres und die waghalsigen Verbindungen mit Hip-Hop (ANTHRAX Ende der Achtziger), Reggae (SKINDRED) oder völlig anderen Ausrichtungen. Auch EXIT SUN, eine junge Band aus Karlsruhe, lassen sich von fadenscheinigen Grenzen nicht aufhalten und suchen ihren Platz zwischen den Stühlen. Die kürzlich erschienene Debüt-EP "Welten" vermittelt bereits einen ersten Eindruck davon, mit welcher Vielseitigkeit auch im deutschen Underground noch zu Werke gegangen wird.

Bereits der Opener "Moribund" zeigt die Spannbreite dieser Veröffentlichung. Die musikalische Grundausrichtung lässt sich sicherlich irgendwo zwischen den Bereichen Black-, Post- und Doom-Metal verorten. Dieser Umstand allein macht aus der Musik allerdings noch nichts Außergewöhnliches, da sich diese Kombination in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Symbiose mit verspielten Klassiktönen und Jazzklängen ist mir in diesem Ausmaß allerdings bislang von kaum einer anderen Band bekannt. Einzig bei den Pfälzern von WINTERBLOOD bin ich bereits auf ähnliche Kompositionen gestoßen, auch wenn beiden Gruppen ihr jeweils ganz individueller Stil kaum abzusprechen ist.

Während mich die tiefen Growls und der schwarzmetallische Gitarrensound immer wieder an progressiven Metal erinnern, wecken Saxophon und Basslines Assoziationen zu BOHREN & DER CLUB OF GORE oder anderen Bands aus dem Bereich des Dark Jazz. Für besonders erwähnenswert halte ich zudem noch die cleanen Vocals von Markus Neuwirth. Die gefühlvollen Gesangspassagen reihen sich problemlos zwischen hohem Keifen und tiefen Growles ein, ohne die Musik in den Kitsch abtreiben zu lassen. Eben diese Experimentierfreude ist es, die ich mir von Newcomer-Bands wünsche.

Da sich die Hälfte der vertretenen Songs mit einer Dauer von beinahe zehn Minuten auszeichnet, kommt das Machwerk auf eine Spielzeit von beinahe einer halben Stunde, womit für eine EP doch ein erwähnenswerter Umfang geboten wird. Während "Dear Ocean" in diesem Gefüge durch seine gefühlvolle Note besticht, ist mit "-" ein atmosphärisches Stück Ambient als Sättigungsbeilage zugefügt. Doch keine Angst, der krönende Abschluss "Illusions" zeigt, dass EXIT SUN auch einen Vorschlaghammer in ihrem Werkzeugkasten besitzen. Insgesamt bleibt somit ein Silberling, der zwar rund genug für die Stereoanlage ist, allerdings auch genug Kanten besitzt, um über einen längeren Zeitraum im Gedächtnis hängen zu bleiben.

Fazit:
Die Jungs aus Karlsruhe haben auf ihrem ersten Output eine Reihe an Songs veröffentlicht, die zumindest bei mir in den kommenden Tagen noch häufiger aus den Boxen schallen werden. Ich kann jedem Leser nur raten, sich auf der entsprechenden Bandcamp-Seite mit dem Stoff der rezensierten Scheibe auseinanderzusetzen. Gerade für diejenige, denen Klischees schon lange zum Halse raushängen und deren Schränke als schubladenloses Chaos funktionieren, dürfte "Welten" durchaus interessant sein.

Hardy für Lady-Metal.com