Grabnebelfürsten - Pro-Depressiva

Grabnebelfürsten

Band: Grabnebelfürsten

Album: Pro Depressiva

Label: Ketzer Records

Release Date: 18.08.2013

Genre: Black Metal

Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Morgengrauen
02. Mantelmann
03. Pro-Depressiva
04. Fazit einer Ehe
05. Die Rückkehr
06. Einsicht vs. Erkenntnis

Lineup:
Sturm Deiner Winter – Vocals
Hochfinsterwürden – Guitars
K. R. Eisnebel – Guitars
Tao – Bass
Marschhausen – Drums

Besten Dank an Ketzer Records zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Die GRABNEBELFÜRSTEN musizieren nun seit 15 Jahren in wechselnder Besetzung und bieten mit ihrem philosophischen Blackmetal eine gesunde Szeneergänzung zu Bands wie NOCTE OBDUCTA, FÄULNIS oder den DUNKELGRAFEN. „Pro Depressiva“ stellt hierbei nicht nur das vierte Album sondern auch einen weiteren Meilenstein auf einem langen Weg dar. Nachdem sich die Truppe ganze acht Jahre Zeit genommen hat, sind die Erwartungen an den neuen Output von Seiten der Fans entsprechend hoch. Womit ihr auf dieser neuen Veröffentlichung rechnen könnt, dürft oder müsst wollen wir euch gerne verraten:

Ich gebe ehrlich zu, dass der Albumtitel „Pro Depressiva“ bei mir bereits schlimmste Befürchtungen auslöste. Die DSBM-Schiene boomt und auch wenn ich zu dieser Musik längst einen Zugang finden konnte, erschreckt es mich doch, wie selbst traditionelle Blackmetal-Bands immer häufiger versuchen auf diesen Trend aufzuspringen. Die Authentizität wird in diesem Zuge meist sechs Fuß unter der Erde begraben. Ich darf allerdings Entwarnung geben, die finsteren GRABNEBELFÜRSTEN bleiben auch 2013 von sämtlichen Modeerscheinungen unberührt und spielen weiterhin ihren ganz eigenen Stil. Parallelen zu anderen Combos lassen sich deshalb nur äußerst provisorisch ziehen, weshalb ich in diesem Review gerne auf unnötige Vergleiche verzichten möchte.

Technisch wird rockiger Blackmetal geboten, der immer wieder durch psychodelische Passagen ergänzt wird. Nicht zuletzt in diesen Momenten lassen sich auch Einflüsse aus den Bereichen Ambient, Doom- und Progressivemetal identifizieren (Ich verweise besonders auf den Song „Die Rückkehr“). Auf harte Breaks wird weitestgehend verzichtet, was jedoch keinesfalls bedeuten soll, dass nicht in allen Geschwindigkeiten und Facetten musiziert wird. Besonders hervor stechen zudem die Vocals von Herr „Sturm deiner Winter“. Der altbekannte Keifgesang wechselt sich diesmal in einem auffällig hohen Maße mit einer choralen Männerstimme ab, wodurch eine ganz individuelle Atmosphäre entsteht. Seine letzten Konturen bekommt das Gesamtbild durch vereinzelte Orgel- und Pianoklänge (Einsicht vs. Erkenntnis) verliehen. Was bleibt ist ein verstörendes Stück moderner Tonkunst, welches in seiner Spielzeit sämtliche Gemütslagen streift.

Besonders im Vergleich zu dem bisherigen Schaffen der Truppe fällt mir die satte Produktion positiv auf. Der Sound enthält zwar noch das für dieses Genre charakteristische Scheppern, allerdings klingen sowohl Vocals als auch das Instrumental erstaunlich klar abgemischt. Hiervon profitieren gerade die Blastbeats der treibenderen Songs wie „Mantelmann“. Bei dieser Kost bleibt mir nur zu hoffen, dass es irgendwann einen würdigen Nachfolger zu dieser Platte geben wird, der diesmal kein knappes Jahrzehnt auf sich warten lässt.

Fazit: Ich mochte die GRABNEBELFÜRSTEN schon vor „Pro Depressiva“. Ich würde allerdings fast soweit gehen, das neue Album als Höhepunkt der bisherigen Karriere zu klassifizieren. „Von Schemen und Trugbildern“ oder „Schwarz gegen Weiß“ sind auf Bundesebene längst Kultalben geworden. Doch der vierte Streich scheint mir eine emotionale Intensität zu enthalten, die ich in diesem Ausmaß auf den vergangenen Werken noch nicht spüren konnte. Wer sich gerne mit schwarzmetallischer Kunst auseinandersetzt und sich auch für Spielarten außerhalb des „True Norwegian Black Metals“ erwärmen kann, macht mit diesem Output definitiv nichts falsch.

Hardy für Lady-Metal.com