Letzte Instanz - Im Auge des Sturms

Letzte Instanz

Band: Letzte Instanz

Album: Im Auge des Sturms

Label: Drakkar Records

Release Date: 29.08.2014

Genre: Folk Rock

Rezensent: Hardy

Tracklist:

01. Alles anders
02. Ganz egal
03. Traum im Traum
04. Deuxieme Mouvement
05. Das letzte Mal
06. Der Panther
07. Im Auge des Sturms
08. Koma
09. C3H5
10. Nein
11. Verweht
12. Die Zeit
13. Opus III
14. Zusammen
15. Asche

Lineup:
Holly Loose - Vocals
M.Stolz - Violin
Benni Cellini - Violoncello
Oli - Guitars, Vocals
Micha Ende –  Bass
David Pätsch - Drums

Besten Dank an Netinfect zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

Die LETZTE INSTANZ ist inzwischen schon seit sage und schreibe achtzehn Jahren unterwegs und kann mittlerweile wahrscheinlich ein halbes Regal allein mit ihren eigenen Releases füllen. In wenigen Tagen hat das Warten der Fans wiedermal ein Ende und es erscheint ein neues Album, welches diesmal auf den vielversprechenden Namen "Im Auge des Sturms" hört. Ich habe die Musik der Gothrocker früher selbst sehr genossen und bin somit nicht wenig gespannt, als die ersten Klänge des Albums meine Anlage verlassen.

Leider weicht die freudige Spannung zumindest bei mir sehr schnell einer bitteren Ernüchterung. Ich erinnere mich noch gut daran, dass sich die Combo stets durch ihre verrückte Art von ihren Genrekollegen unterschied. "Rapunzel", "Satyr" und "Pennywise" sind nur exemplarische Belege dafür, dass diese Band den Punk in den deutschsprachigen Folkrock gebracht hat (noch bevor SCHELMISH für diese Mischung berühmt wurden). Bei der LETZTEN INSTANZ wurde selten nach Rezept gekocht. Stattdessen sprang meistens ein hyperaktiver Suppenkasper auf Crack und Gummibärchen wie verrückt durch die viel zu enge Wohnküche. Live äußerte sich dieser irrwitzige Wahnsinn unter anderem darin, dass Benni Cellini beim Headbangen manchmal fast von seinem Sitz fiel. Bereits auf den letzten drei bis vier Alben haben die Eigentümlichkeiten der Band Schritt für Schritt abgenommen. Doch nun ist kaum noch etwas von der alten Kreativität übrig geblieben.

Aber wonach klingt das Album denn nun, wenn nicht mehr nach der LETZTEN INSTANZ? Meine ehrliche Antwort fällt ernüchternd aus. Fast alle Songs auf "Im Auge des Sturms" klingen nach kommerziell erfolgreichen Bands wie UNHEILIG oder EISHEILIG. Meiner Ansicht nach hat es die Band mit diesem Album geschafft, ihr Nischendasein aufzugeben und sich stattdessen im poppigen Mainstream zu positionieren. Sicherlich werden sich einige Fans nicht sonderlich an diesem Umstand stören, ich persönlich habe allerdings so meine Schwierigkeiten mit dem neuen Kurs.
 
Besondere Enttäuschung befällt mich beim Hören der Scheibe allerdings nicht nur wegen dem musikalischen Mittelmaß, sondern auch wegen der wenig fantasievollen lyrischen Ergüsse. Ich bin mir bewusst darüber, dass es in der heutigen Zeit schwierig ist, neue Ideen zu finden, die es so noch nie gab (Stichwort "Intertextualität"). Zumindest neue Arrangements oder eine individuelle Ausgestaltung hätte ich allerdings schon erwartet. Beinahe alle Motive klingen, als hätte man sie in ähnlicher Weise bereits gehört. So erinnert mich das Stück "Zusammen" mittelschwer an "Eisblumen" von SUBWAY TO SALLY oder "Traum im Traum" an "Traumreise" von SALTATIO MORTIS. Am trägsten kommt allerdings die alte Leier von der ungleichen Beziehung daher, in der sich ein Partner nicht wirklich entfalten kann, sondern nur noch wie ein Gefangener fühlt. Genau dieser Aufhänger wurde von der LETZTEN INSTANZ bereits häufiger verwendet (z.B. "Du und ich" oder "Komm nie zurück"). Wie wäre es alternativ mal mit einer glücklichen Beziehung? Oder aber dem konsequenten Ende in einer Enthauptung wie bei BODO WARTKE ("Ja Schatz")? Aber lasst euch nicht beirren, das sollten schließlich nur kleine Anregungen meinerseits sein.

Fazit:
Ich möchte an dieser Stelle nochmals hervorheben, dass ich lange Zeit ein großer Fan der werten Herrschaften aus Dresden war. Die allseits verrückte Art, wie sie bis dato lediglich von den INCHTABOKATABLES bekannt war, konnte die Musik klar und eindeutig von anderen Folkrock-Gruppen abheben. Dieser Flair ist auf der langjährigen Reise der Musiker scheinbar verloren gegangen. Ich finde keinen Anhaltspunkt, an dem ich festmachen könnte, dass es sich bei diesem Release um etwas Bahnbrechendes oder Einmaliges handelt. Meiner Ansicht nach wurde hier massentaugliche Musik für ein großes Spektrum an Menschen produziert, die weder irritiert, noch in irgendeiner Weise provoziert werden wollen. Schade eigentlich, ich hätte tatsächlich mehr erwartet.

Hardy für Lady-Metal.com