Onkel Tom - Held

Onkel Tom

Band: Onkel Tom

Album: Held

Label: Steamhammer / SPV

Release Date: 19.09.2014

Genre: Thrash Metal / Deutschrock
    
Rezensent: Hardy

Tracklist:
01. Flatus antelucanus
02. Prolligkeit ist keine Schande
03. Zu wahr, um schön zu sein
04. Ein bisschen Alkohol
05. Am Morgen danach
06. Was euch nicht passt
07. Vom Paradies gen Süden
08. Wer nach dem Lied noch stehen kann
09. Der Duft von Lavendel
10. Im Suff
11. Der Onkel kommt zum Hausbesuch
12. Auf Gedeih und Verderb
13. Ich bin noch am Leben

Lineup:
Tom Angelripper - Vocals
Klaus Nikodem - Guitars
Celli - Guitars
Corny - Drums
Marc – Bass

Besten Dank an Steamhammer zur Verfügungstellung des Albums

Beurteilung

ONKEL TOM ist zweifelsohne einer der standhaftesten Szenevertreter der deutschen Metalmusik. Mit SODOM hat er bereits zu Zeiten Hits erschaffen, als viele von uns (inklusive mir) ihr Schwarzbier noch aus der Nuckelflasche zu sich nehmen mussten. Doch auch unter seinem eigenen Pseudonym huldigt er nun schon seit 1995 den prozenthaltigen Getränken und der mit ihnen verbundenen Vollsuffsymptomatik. Mit dem kürzlich erschienenen Album "Held" erweitert er nun den Samstagabend-Soundtrack um weitere dreizehn Songs.

Musikalisch wird, wie bereits auf den letzten Veröffentlichungen, eine Mischung aus Rock- und Metalmusik geboten, die sich problemlos mit DIMPLE MINDS oder den KNEIPENTERRORISTEN vergleichen lässt. Die Thrash-Elemente der vergangenen Tage fehlen beinahe vollständig, weshalb ursprüngliche Parallelen zu Bands wie TANKARD maximal punktuell wahrzunehmen sind.

Die altbekannten Stärken lassen sich meiner Ansicht nach hauptsächlich in der ersten Hälfte des Albums finden. "Ein bisschen Alkohol" oder " Was euch nicht passt" rocken und provozieren einen gemütlichen Schunkel-Pogo. Doch auch lyrisch sorgt der nette Onkel wieder für den ein oder anderen Schmunzler. Slogans wie "Protzigkeit ist keine Schande und Intellekt kein Privileg" machen deutlich, dass der Alkoholkonsum an sich in dieser Szene längst zu allgemeinem Kulturgut erhoben wurde. Die Vorteile der Abstinenzverweigerung liegen ja auch auf der Hand. Wer in Schnaps konserviert wurde kann sich schließlich auch die Kryokonservierung sparen.

Leider müssen die innovativen Einfälle auf "Held" mit Lupe und Landkarte gesucht werden. Über jeden Witz wurde gefühlt schon mehrfach gelacht und auch die rotzrockigen Riffs schaffen es nicht, sich von ähnlichen Formationen abzuheben. Selbst die Texte klingen als wären sie aus alten Motiven der BÖHSEN ONKELZ und PÖBEL & GESOCKS neu zusammengeflickt. Am meisten schockiert mich jedoch die schlecht gereimte Ballade "Ich bin noch am Leben" gegen Ende der Scheibe. Wehmütig denke ich in diesem Moment an die liebgewonnen Coverversionen von HEINO, UDO JÜRGENS oder PAUL KUHN. Zu dieser Zeit verstand es ONKEL TOM, sich mühelos und charmant in die Leber seiner Fans zu singen. Naja, vielleicht beim nächsten Mal wieder.

Fazit: Ich höre SODOM und ONKEL TOM gefühlt schon seit dem Urknall meiner Existenz und bin fast ein bisschen wehleidig, nichts anderes berichten zu können. Doch leider erfüllt "Held" nicht meine Erwartungen. Der Witz reicht nicht aus, um die gesamte Spielzeit über zu wirken, und die musikalische Leistung bewegt sich auf dem Durchschnittsniveau. Von einem derart begnadeten Musiker hatte ich mir mehr erhofft. Ich werfe die Flinte allerdings nicht ins Korn auf und warte mit einem Trostbier in der Hand, was die Zukunft wohl bringen mag. Prost!

Hardy für Lady-Metal.com