Wardruna - Yggdrasil

Wardruna

Band: Wardruna

Album: Yggdrasil

Label: Indie Recordings

Release Date: 25.03.2013

Genre: Ambient

Rezensent: Laura

Tracklist:

01. Rotlaust tre fell
02. Fehu
03. NaudiR
04. EhwaR
05. AnsuR
06. IwaR
07. IngwaR
08. Gibu
09. Solringen
10. Sowelu
11. Helvegen

Line-Up:

Einar Kvitrafn Selvik: Composer, Vocals und alle Instrumente
Lindy-Fay Hella: Vocals
Gaahl: Vocals

Vielen Dank an Indie Recordings für das Material!

Beurteilung

Schamanismus als Populärmusik - dass so etwas möglich ist, haben Wardruna bereits mit ihrem Debut "Gap var Ginnunga" bewiesen. Mit einfachsten Mitteln und Instrumenten, dafür umso mehr Kraft in den Stimmen haben sie 2009 ein beeindruckend fangendes Werk geschaffen, das den Hörer flugs in die norwegischen Wälder verfrachtete. Entsprechend groß ist nun der Anspruch an den zweiten Teil der Trilogie.
Wieder steht der Hörer mitten im Wald neben einem Bach, als plötzlich Männer neben ihm auftauchen und kehlig singen.Trommeln treiben diesen Sprechgesang an, es ist eine energetische Atmosphäre. In der Hälfte entsteht tatsächlich so etwas wie ein Refrain, Textstellen werden variiert und vor allem wiederholt. Rotlaust tre fell, der Einstieg in den Wald Wardrunas, ist eindeutig liedhafter als weite Teile des Debuts, es hat mehr Strukturen, die Elemente werden früher ausgetauscht.
Auffallend ist, dass die Hexe von Gap var Ginnunga sich in eine zartere, beschwingtere Frauenstimme, manchmal auch in einen ganzen Elfenchor, gewandelt hat. Leider fehlt dadurch etwas von dieser urigen Stärke, die dem ersten Album inne war. Es werden insgesamt mehr Chöre eingesetzt, stellenweise sind die Titel auch liedhafter und verlieren damit an ihrer schamanischen Wirkung. Diesen Teil ersetzt nun stellenweise der ranzige, einsame Gesang einer Männerstimme (vermutlich Kvitrafn). Noch eine Kritik kann ich mir nicht verkneifen; da es sich um ein naturnahes Werk handeln soll, wurden entsprechend Samples von Waldes- und Bächerrauschen, von Rabengeschrei und Gewittern eingespielt. Die Lieder brauchen aber kein Ende in Form von Donnergrollen, sie stehen für sich. Dadurch werden die Samples zu barocken Beigaben.
Das alles heißt aber nicht, dass das Album nicht wieder stark einfangend ist. Wardruna schaffen es wieder einmal, die Energie und Geister des norwegischen Waldes in eine CD zu pressen, die beim Hören sofort aus den Lautsprechern herauswächst und dem Hörenden einflicht.  Einfaches "Hören" funktioniert hier nicht, zu sehr werden die Urinstinkte angesprochen.
Meine Lieblingsstücke seien hier noch genannt: Ansur, das in seiner konsequenten Wiederholung und Einfachheit stark an das Debut erinnert. Sowelu, weil es ein beschwingter und freier Klang ist, der untypisch für Wardruna scheint, aber trotzdem den Hörer einfängt und gerade deswegen so stark ist. Außerdem das Finale, Helvegen, bei dem der Effekt im Mittelteil, langsamer Gesang gegen schnelle Trommeln, einfach geil ist.

Fazit: Sobald ich aus meinem Schamanenwald wieder herauskomme, empfehle ich dieses Album auf jeden Fall. Wer Wardruna nicht kennt: Lasst euch darauf ein! Wer Wardruna schon kannte: Ergänzt eure Sammlung!

Laura für Lady-Metal.com