Bericht und Impression

Impressionen - Fotograf Frank Weichert

Bericht - Tommy Becher

HELLFEST – Clisson Rock City – 19. - 21.06.2015

 

Zwischen dem 19.06.15 und dem 21.06.2015 war es wieder soweit. Das HELLFEST hatte zum 10. Mal seine Pforten für weit über 130.000 Metaller, Rocker und Black Metaller geöffnet. Die Wettervorhersage gab für alle Tage ca. 25 Grad an. Die Realität war dann allerdings eine andere. Das Motto hätte auch gerne „Burn In Hell(Fest)“ sein können. Es war unfassbar heiß. Hätten jetzt noch Dee Snider und seine schrägen Schwestern zum Tanz gebeten, hätte sich spätestens hier der Kreis geschlossen. Aber auch ohne diese Band war das Billing erstklassig besetzt. Alleine alle Namen hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Da es insgesamt 6 Bühnen und mehr als 150 Bands zu sehen gab, können wir an dieser Stelle leider nicht alle Künstler berücksichtigen. Generell kann man aber sagen, daß ausnahmslos alle Künstler hervorragende Bedingungen vorgefunden haben. Der Sound war durchweg gut. Die Spielzeiten waren ebenfalls völlig in Ordnung. Was in Frankreich auffällig ist, das ist die Bandbreite der Bands. Hier wird von Classic-Rock bis Black-Metal wirklich alles geboten, und zwar auf sehr hohem Niveau. Beispiele gefällig? ZZ TOP, SLASH, MOTÖRHEAD, SLIPKNOT, CRADLE OF FILTH, CHILDREN OF BODOM, FINNTROLL, SCORPIONS, FAITH NO MORE, ACE FREHLEY oder BILLY IDOL. Wem das noch nicht genug ist, der bekommt Crossover (HOLLYWOOD UNDEAD, BODY COUNT), Oi (COCK SPARRER) und Punk (DEAD KENNEDYS). Man musste wirklich schauen wo man seine Pausen einlegen kann. Und so gut diese auch geplant waren, man hat irgendwo definitiv etwas verpasst. Vor allem waren bei den sehr hohen Temperaturen auch mehr Pausen als geplant nötig. Deshalb an dieser Stelle nur ein kurzer Eindruck, den nachfolgende Bands hinterlassen haben:

 

ACE FREHLEY wurde sehnlichst erwartet, das war bereits an den vielen KISS und ACE Shirts auf dem Gelände erkennbar. Entsprechend euphorisch wurde er und seine Band dann auch empfangen. Man konnte allerdings unschwer erkennen, daß Nachmittag um 15:00 nicht seine bevorzugte Tageszeit ist. Trotzdem war es ein wirklich guter Auftritt mit einigen echten Überraschungen im Set. Mit „Love Gun“ hatten wohl die wenigsten gerechnet. Singen wollte er die Nummer allerdings nicht, das hat der Drummer für ihn übernommen. Das „Rip It Out“ nicht gespielt wurde war dann ebenfalls eine Überraschung. Ein wirklich gelungener Gig, zumindest für alle KISS Fans.

AIRBORNE darf man wohl als eine der großen Überraschungen feiern. Vor der Bühne war kaum noch Platz und die Energie ist sofort von der Band auf das Publikum übergesprungen. Wodurch die Band noch ein paar Prozent extra draufgepackt hat, und das trotz der großen Hitze. Respekt für beide Seiten. So sieht dann wohl eine Win/Win Situation aus.

ALICE COOPER hat einen extrem guten Tag erwischt. Eine Setlist in der kaum ein Wunsch unerfüllt blieb, eine super Backing Band und über die Show muss man nach all den Jahren auch nichts mehr berichten. Zu späterer Stunde wäre die Show natürlich noch viel besser zur Geltung gekommen.

ARCH ENEMY haben es tatsächlich geschafft, die neue Sängerin Alissa White-Gluz als Ersatz für Angela Gossow zu etablieren. Auch in Frankreich scheint niemand Probleme mit dem Wechsel am Mikrofon zu haben. Und wenn doch noch jemand Zweifel hatte, wurden diese durch die klasse Performance der gesamten Band ausgeräumt. Ein toller Auftritt mit viel extremer Musik, die aber immer nachvollziehbar war und genügend Melodie zu bieten hatte, das auch Freunde von traditionellem Metal nicht schreiend davon rennen mussten.

ARMORED SAINT sind musikalisch über jeden Zweifel erhaben. In Sachen Bühnenoutfit sollten sie sich allerdings noch einen Berater zur Band holen. Man hatte den Eindruck die Amis wären nur schnell vom Strand auf die Bühne gehüpft und hatten keine Zeit sich nochmal umzuziehen. Aber wer so geniale Songs wie „Last Train Home“ oder „Reign of fire“und einen Sänger wie John Bush im Gepäck hat, der darf Jeans und Leder ausnahmsweise mal weglassen.

BILLY IDOL scheint wirklich nicht älter zu werden. Er fegt noch immer wie ein Jungspund über die Bretter und wenn man ihn nicht direkt aus der Nähe sieht, befindet man sich gedanklich noch immer Ende der Achtziger und Anfang der neunziger Jahre. Songs wie „Rebel yell“, „Moni moni“, „Flesh for fantasy“ oder „Eyes without a face“ unterstreichen das zusätzlich. Und mit seinem Sidekick Steve Stevens hat er den Partner in crime im Boot, ohne den alles nur halb so schön gewesen wäre. Einer der besten Gigs des Wochenendes.

Die BUTCHER BABIES konnten mit 2 hübschen Frontdamen glänzen. Die haben die Bühne auch ordentlich gerockt. Nach 2 Songs war musikalisch allerdings alles gesagt und optisch alles gesehen. Nur eine Frage blieb unbeantwortet: Was hatte diese Band auf der Hauptbühne zu suchen?

CAVALERA CONSPIRACY wurden sehr freudig erwartet. Das sich die beiden Brüder nicht wieder unter dem Banner SEPULTURA vereinen, versteht eh niemand wirklich?! Eine Grenze zwischen SEPULTURA, SOULFLY oder eben CC zu ziehen ist eh sehr schwer. So wurden auch an diesem Nachmittag viele Klassiker aus der gemeinsamen Zeit bei SEPULTURA aus dem Ärmel geschüttelt. Allerdings hatte es musikalisch ein wenig den Charakter einer Cover Band, und optisch war es mehr Pavarotti and Friends als SEPULTURA. Verzichtbar.

CHILDREN OF BODOM mussten auf einer der Zeltbühnen ran und hatten diese bis ganz nach außen gefüllt. Ein extrem guter Auftritt mit einer Menge Spielfreude. Die Band konnte mal wieder komplett überzeugen. Warum die Finnen nicht auf der Hauptbühne aufspielen durften und stattdessen ein Zelt aus allen Nähten platzen musste, hat sich mir nicht erschlossen. Das die Finnen deutlich mehr Fans in ihren Bann ziehen, dürfte sich auch in Frankreich rumgesprochen haben. So hatten viele leider das Problem das sie vor dem Zelt stehen mussten und von der Show leider relativ wenig mitbekommen haben.

EPICA wurden schon beim Intro von der Menge gefeiert. Die Show war dann allerdings sehr zäh und langatmig. Die Hitze hat ihr übriges dazu beigetragen, daß man eher froh war als die Band zu den letzten Akkorden ansetzte. Die Franzosen haben das größtenteils komplett anders gesehen und EPICA entsprechend abgefeiert. Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.

FAITH NO MORE hatten eine Bühne, die eher an ein Beerdigung erinnert haben als an ein Rock Konzert. Alles komplett in Weiß und mit Blumen ausgeschmückt. Die Band war ja schon immer anders als andere, so auch an diesem Tag. Musikalisch war es allerdings ein großes Fest, weit entfernt von einer Trauerfeier. Mike Patton war sehr gut bei Stimme und die Zusammenstellung der Songs hätte auch kaum besser sein können.

FIVE FINGER DEATH PUNCH waren zusammen mit HOLLYWOOD UNDEAD die Gewinner der 10 HELLFEST Ausgabe. Ganz viele 5FDP Shirts deuteten sowas bereits früh am Morgen an. Eigentlich hätten sie bereits am Vormittag an den Start gehen müssen, das wurde dann aber glücklicherweise kurzfristig geändert. Somit durfte die Band am Nachmittag auftreten. Und dieser Triumphzug lässt nur ein Resümee zu: Die Band muss 2016 als Headliner zum HELLFEST zurück kommen. Punkt! Wer mit Tonnenschweren Eiern auf die Bühne springt und vom ersten Song an die Meute komplett im Griff hat, der empfiehlt sich definitiv für mehr! KILLER!!!

HOLLYWOOD UNDEAD waren für mich im Vorfeld die große Unbekannte. Entweder stehe ich weitestgehend alleine vor der Bühne oder es wird richtig voll. Natürlich wurde es voll. Und das Publikum war von vorne bis hinten Textsicher und hat die Band komplett abgefeiert. Selbst die Songs die eher EMINEM als dem Metal zugeordnet werden konnten, was absolut für das offene Publikum in Clisson spricht. Das wäre bei vielen anderen Metal Festivals leider undenkbar. Vielleicht sollten auch andere Festivals in Europa mehr Risiko gehen und somit auch mal jüngere Besucher auf ihre Open Airs locken. Die Szene des Tages fand ebenfalls bei diesem Auftritt statt. Crowdserfer sind bei der Band völlig normal. Das diese im Rollstuhl über die Menge getragen werden wohl weniger. Mehr Applaus als der junge Mann hat an diesem Wochenende niemand bekommen. Und das mit Recht!

IN FLAMES waren wie immer eine Bank. Man merkt der Band wirklich ihre vielen Konzerte an. Routiniert wirkt es allerdings nicht. Die Schweden spulen nicht einfach ihr Programm ab, sondern haben offensichtlich immer noch eine Menge Spaß bei der Sache. Das man nicht auf Nummer sicher geht, unterstreicht die Tatsache, das man sich traut die Show mit dem größten Hit „Only For The Weak“ zu eröffnen. Großes Kino!

JUDAS PRIEST haben langsam aber sicher ihren Zenit wirklich überschritten. Allen voran Rob Halford. Die Band spielt sehr routiniert, aber immer die selben Songs. Die machen ohne jeden Zweifel nach wie vor großen Spaß. Bei „Metal Gods“, „Victim Of Changes“ oder „Painkiller“ kann man nicht viel flasch machen. Speziell auf so einem großen Festival könnten aber mal die ein oder andere Überraschung auspacken. Aber irgendwie hat man bei den letzten Shows immer das Gefühl das bei JP die Luft und das Feuer komplett raus sind.

L7 durften auf einer der beiden Hauptbühnen auftreten. Warum, das hat wohl niemand so richtig verstanden. Die Damen waren sicher motiviert, aber weder die Performance noch das Material war auch nur im Ansatz ausreichend. Stichwort: Langeweile. Wenn man dann sieht, daß Bands wie DEAD KENNEDYS, CHILDREN OF BODOM, CRADLE OF FILTH oder BODY COUNT in einem der Zelte auftreten müssen, wirft das schon ein paar Fragezeichen auf.

We are MOTÖRHEAD and we play Rock’n’Roll! Mehr gibt es dazu wirklich nicht mehr zu sagen. Doch, eins noch: Lemmy ging es trotz großer Hitze wirklich gut.

NUCLEAR ASSAULT waren solide. Aber ein wenig verloren auf der großen Bühne. Wenig Bewegung, aber die Songs sind einfach klasse und die Umsetzung derer war auch gelungen. Optisch hat man nichts verpasst.

SAMAEL waren live wie immer eine Bank. Druckvoller Sound, durchdachte Optik und einen Groove dem sich wirklich niemand entziehen kann. Auch diese Show war eine Bewerbung für die große Bühne. Wobei die Band in so einem Ambiente sehr gut aufgehoben ist und Open Air am Nachmittag sicher einiges verloren geht. Aber es standen so viele Leute vor dem Zelt, die hätten sicher gerne mehr von SAMAEL gesehen.

SCORPIONS funktionieren immer und überall. So auch an diesem Tag. Zuvor gab es ein großes Feuerwerk. Das musikalische Feuerwerk kam direkt im Anschluss. Als Landsmann ist man schon ein wenig stolz wenn man sieht wie die Hannoveraner im Ausland gefeiert werden. Die Setlist hätte natürlich bei jedem Besucher auf Wunsch anders ausgesehen. Aber die Mischung war absolut passend. Aber speziell bei den älteren Nummern vor „Love At First Sting“ ist es immer ein wenig schade, diese in einem Medley zu verpacken. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Und bei so vielen Klassikern kann man es umöglich allen Recht machen.


SLASH benötigt die alten Gassenhauer von GUNS `N ROSES eigentlich nicht um die Menge zu überzeugen. Aber zum einen hilft es, zum anderen wollen es die Fans auch einfach hören. Ein richtig guter Gig mit einem grandiosen Myles Kennedy am Mikrofon. Und wenn dann bei „Paradise City“ und „Sweet Child O‘ Mine“ alle gepflegt durchdrehen, ist die Welt doch absolut in Ordnung.

SODOM, der zweite deutsche Import an diesem Wochenende weiss eben auch wie es geht. Völlig unaufgeregt schleudert man ein Best Of Programm in die tobende Menge, wischt sich den Mund ab und geht wieder nach Hause. Einen besseren Ersatz für ANTHRAX hätte der Veranstalter wirklich nicht finden können.

THE QUIREBOYS waren wie immer eine Bank. Die Band funktioniert im Club genauso wie auf der großen Bühne. Der strahlende Sonnenschein passt zu dieser Musik einfach viel besser als zu den Pandas und Death Metal Heads. Klasse Sound, riesige Spielfreude und einfach eine sehr sympathischer Trupp!

ZZ TOP haben alles richtig gemacht. Optisch, wie immer, nichts geboten. Die Texaner machen das mit ihrer Musik. Und die war an diesem Abend wirklich vom allerfeinsten. Alle Hits, klasse Sound und ein Publikum das jede Zeile mitgesungen hat. Was will man mehr?! 

 

Fazit: Das HELLFEST 2015 war super organisiert. Das Essen war wirklich klasse. Ausreichende Getränkeauswahl zu verträglichen Preisen wurden ebenfalls angeboten. Über die Menge und Qualität der Bands muss man auch keine Worte verlieren. Negativ waren lediglich 2 Punkte. Die hygienischen Bedingungen waren alles andere als ausreichend. Zu wenig Toiletten und Duschen im Campingbereich für extrem viele Besucher. Davon abgesehen waren die Sanitären Anlagen durchweg sehr schmutzig. Der zweite Punkt war das Merchandise. Ähnlich wie in Wacken, muss man stundenlang am Merch anstehen, und zwar gleich am ersten Tag, früh morgens. Wer danach kommt, steht noch länger und bekommt eigentlich nur noch Reste. Die meisten Shirts und andere Artikel waren sehr schnell vergriffen. Das sollte in so einer Größenordnung wirklich nicht sein. Hier muss man einfach mehr zur Verfügung stellen. Teilweise waren dort wirklich Hamsterkäufe zu beobachten. Kein Wunder, daß sich viele Artikel nach dem Festival bei diversen Auktionshäusern wieder gefunden haben. Natürlich deutlich teurer als vor Ort, wo die Preise wirklich fair waren.

Das HELLFEST hat viel mehr zu bieten als nur Musik, was die Bilder von Frank Weichert eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die Anreise aus dem Süden der Republik ist zwar sehr weit, aber das HELLFEST ist wirklich jeden Kilometer wert. Wir werden definitiv auch 2016 auch wieder vor Ort sein und eines der genialsten Metal Festivals in Europa feiern.

 

Tommy Becher